Kritik an Migros wegen Fixpreis-Ausschreibungen

Die Produzentenpreise für Gemüse werden teilweise bereits ein Jahr im Voraus festgelegt, obwohl Erntemengen und Produktionskosten zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss sind. Faire Märkte Schweiz kritisiert dieses Vorgehen der Migros. Dadurch entstehe Preisdruck.

pd/ome |

Wetterextreme, Krankheiten und Schädlinge beeinflussen die Produktionsbedingungen und somit auch die Kosten. In einer Mitteilung betont der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) , dass diese Risiken nicht allein von den Produzenten getragen werden dürfen. FMS fordert deshalb, dass die Migros die Produzentenpreise für Gemüse nicht bereits ein Jahr im Voraus festlegt.

«Die Erträge für das Produkt und die Produktionskosten müssen bei der Preisfixierung bekannt sein: Nur dann ist eine faire Preisbildung gewährleistet », sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger. Angesichts der geplanten Fusion der Migros-Genossenschaften sei dies umso wichtiger. Eine grössere Einkaufsmacht könnte Abhängigkeiten und Preisdruck verstärken und die Ausweichmöglichkeiten der Produzenten einschränken.

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Zunehmender Preisdruck

Bei Lagergemüse wie Zwiebeln, Kabis und Randen arbeite die Migros bereits seit Jahren mit jährlichen Fixpreis-Ausschreibungen. Inzwischen werde dieses Verfahren zunehmend auch bei Frischgemüse wie Tomaten und Gurken angewendet.

Während frühere Fixpreisvereinbarungen meist einzelne Produkte betrafen und den Betrieben über mehrere Jahre Planungssicherheit boten, werden die Aufträge heute regelmässig neu ausgeschrieben. «Dadurch entstehen für Produzenten kurzfristig grosse wirtschaftliche Risiken.» Laut FMS nutzt Migros ihre marktbeherrschende Stellung auf den betroffenen Beschaffungsmärkten aus, um wirtschaftlich abhängigen Produzenten eine frühzeitige, verbindliche Preisfestlegung aufzuzwingen. 

«Aufträge gibts nur bei unfairen Preisen»

Die Produzenten müssen langfristig planen und nach einem Zuschlag oft in spezialisierte Maschinen und Produktionsverfahren investieren. Eine längerfristige Abnahmegarantie fehle jedoch häufig. Um bei der nächsten Ausschreibung erneut berücksichtigt zu werden und ihre Investitionen auszulasten, geraten die Betriebe unter Preisdruck. Da die Migros meist ihr grösster Abnehmer ist, sehen sich die Produzentinnen laut FMS gezwungen, möglichst günstige Angebote einzureichen.

Laut Flückiger entsteht dadurch eine paradoxe Situation: «Wer gemäss seinen Produktionskosten rechnet und entsprechend eingibt, verliert den Auftrag.» Hinzu komme, dass neben den produzierenden Betrieben auch grosse, überregional tätige Händler an den Ausschreibungen teilnehmen können. Diese können ihre Preise anders kalkulieren und die Ware teilweise erst nach der Vergabe bei den Produzenten beschaffen. Die FMS kritisiert diese ungleichen Verhandlungsbedingungen.

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Preisbildung höchstens Wochen im Voraus

In verschiedenen Migros-Genossenschaften fanden in den vergangenen Monaten Fixpreis-Ausschreibungen für die Gemüseernte der Saison 2027 statt. Damit mussten Gemüseproduzentinnen bereits die Verkaufspreise für die kommende Saison festlegen, ohne ihre tatsächlichen Produktionskosten und Erntemengen für die kommende Saison zu kennen. Dies dürfte laut FMS nicht zulässig sein. «Bei stark volatilen und wetterabhängigen Produktionsbedingungen können die Produzentenpreise erst maximal ein paar Wochen im Voraus festgelegt werden», betont Flückiger.

Angesichts der diesjährigen Wetterextreme zeigte sich die Migros zwischenzeitlich offen für Gespräche und setzte die im Vorjahr bei den Ausschreibungen fixierten Preise vorübergehend aus. «Bei der darauffolgenden Vergaberunde für die Saison 2027 kehrte sie jedoch zum bisherigen Vorgehen zurück», schreibt FMS. Der Verein fordert deshalb, auf jährliche Fixpreis-Ausschreibungen für Gemüse zu verzichten und die Preisfestlegung auf höchstens mehrere Wochen im Voraus zu beschränken.

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«Es geht auch anders»

Auch die Gemüse-Produzentenorganisation VSGP schätze Fixpreis-Ausschreibungen als problematisch ein. In einem Schreiben habe sie die Produzenten aufgefordert, keine Angebote einzureichen. Aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten sei dieser Aufruf jedoch kaum befolgt worden.

Dass es auch anders geht, zeigt laut FMS der Bio-Gemüsemarkt, in dem jährliche Fixpreis-Ausschreibungen nicht üblich sind. Auch andere grosse Detailhändler wie Coop setzen gemäss FMS nicht auf vergleichbare jährliche Ausschreibungen für Gemüse.

Kommentare (1)

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  • Daniela Nef | 05.11.2026
    Einfach nicht mehr zu Migros einkaufen gehen. Dann spüren sie es mal,dass die Bauern sich nicht ködern lassen. Es gibt ja noch genug andere Läden. Es ist eine Sauerei,immer bei den Bauern den Preis zu drücken. Gehts noch! Und die in der Teppichetage bekommen eine goldige Nase. Nein,nochmals nein.
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