
Ohne Bewässerung wächst kaum etwas. Auch die Zuckerrüben leiden unter der Hitze und der Trockenheit.
Monika Gerlach
Die Hitze und Trockenheit des Sommers 2026 treffen die Schweizer Landwirtschaft hart. Im Obst- und Gemüsebau steigen die Aufwendungen für Bewässerung, zusätzliche Kühlung, Pflanzenschutz, Personal und Logistik, während die Erträge und die Menge der vermarktbaren Produkte zurückgehen.
Gleichzeitig spiegeln sich die höheren Kosten und Risiken kaum in den Produzentenpreisen wider. Die meisten Gemüsebauern haben ausserordentliche Mehrkosten von mindestens 25 Prozent, wie Faire Märkte Schweiz (FMS) mitteilt.
Aktuelle Lage ist existenzgefährdend
Der Verein fordert deshalb in einer Mitteilung, dass das strukturelle Marktversagen konsequent angegangen wird. Die aktuelle Situation zeige die Folgen eines Marktes, in dem wenige marktmächtige Abnehmer die Preise und Konditionen bestimmen. «Die aktuelle Lage ist für viele Betriebe existenzgefährdend und zeigt auf, dass die Preisbildung in den Agrar- und Lebensmittelmärkten durch erhebliche Marktmachtungleichgewichte geprägt ist», schreibt der FMS.
-> Wetterextreme belasten Bauernfamilien stark
Bereits die Folgen des Irankriegs haben Energie, Betriebsmittel und Transporte verteuert. Das Extremwetter verschärfe diesen Kostendruck, insbesondere durch die intensive Bewässerung mit den enorm hohen Wasserkosten. In einem funktionierenden Markt müssten laut FMS ein knapperes Angebot (wie z. B. durch wetterbedingte Ertragsschwankungen), höhere Produktionskosten und grössere Risiken in den Preisen berücksichtigt werden.
-> Ohne Bewässerung wächst kaum etwas
FMS fordert strukturelle Korrekturen
Doch viele Produzentinnen und Produzenten können ihre Preise nicht frei verhandeln. Ihnen stehen wenige, marktmächtige Abnehmer gegenüber. Ausreichende Absatzalternativen fehlen häufig. So bleiben laut FMS ausserordentliche Kosten und Risiken bei der schwächeren Vertragspartei hängen. Der Verein Faire Märkte Schweiz fordert deshalb strukturelle Korrekturen:
- Richt- und Produzentenpreise müssen die aktuelle Marktlage, die Vollkosten und eine angemessene Abgeltung der Produktionsrisiken berücksichtigen.
- Marktmächtige Abnehmer sollen Verantwortung übernehmen, faire Verhandlungen ermöglichen und auf Praktiken verzichten, die Kosten oder Risiken einseitig auf die Produktion abwälzen.
- Die von einigen Abnehmern angewendeten Konventionalstrafen an Produzenten für ausfallende Ernten müssen eingestellt werden.
- Wettbewerbsbehörden und Politik müssen strukturelle Wettbewerbsprobleme konsequenter abstellen, die Marktbeobachtung stärken und wirksame Regeln gegen unfaire Handelspraktiken schaffen.
Diktierte Bedingungen statt Wettbewerb
Im Mai hat FMS den «Migros-Skontofall» bei der Weko angezeigt. Migros zieht Lieferanten im Früchte- und Gemüsebereich pauschal 3 Prozent vom Warenwert ab. Eine echte Wahl bestehe nicht. Nach Berechnungen von FMS verlieren die Produzenten dadurch rund 12 Millionen Franken pro Jahr. Dass ein solcher Abzug über Jahre durchgesetzt werden kann, ist aus Sicht von FMS ein starkes Indiz für fehlende Ausweichmöglichkeiten und strukturellen Marktmachtmissbrauch. pd