
Initiantin der Ernährungsinitiative ist Franziska Herren.
Adrian Haldimann
Tamedia hatte am Montag berichtet, dass Pro Natura, Greenpeace und Vier Pfoten ihre Unterstützung der Ernährungsinitiative zurückgezogen haben.
Pro Natura will mit Anreizen schaffen
Die Initiative, über die am 27. September abgestimmt wird, habe nicht die erhoffte «dringend nötige, breite Diskussion über die Zukunft des Schweizer Ernährungssystems lanciert», begründete Pro Natura am Montag die Nein-Parole. Weiter hat für Pro Natura die fehlende Flexibilität von Initiantin Franziska Herren eine Rolle gespielt. «Für uns wurde zum Problem, dass sich Frau Herren zu keinem Zeitpunkt um eine breite Allianz mit anderen Akteuren bemüht hat», erklärte Marcel Liner, Dossierverantwortlicher bei Pro Natura, gegenüber den Tamedia-Zeitungen.
Pro Natura will sich, wie es auf Anfrage von sda hiess, im Rahmen der Agrarpolitik weiterhin konstruktiv und tatkräftig für tragbare Tierbestände, weniger Pestizide und ein Ernährungssystem einsetzen, das mit sinnvollen Anreizen arbeite.
Greenpeace setzt auf AP30
Die Stossrichtung der Initiative sei aus Tierschutzperspektive grundsätzlich unterstützenswert, teilte vier Pfoten auf Anfrage mit. Vier Pfoten setze sich aber aktuell mit verschiedenen politischen Massnahmen, konkreten Projekten und Kampagnen für einen besseren Tierschutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Tieren ein und wolle sich «nicht aktiv zur Initiative äussern».
Auch Greenpeace Schweiz teilte auf Anfrage mit, dass man das Anliegen der Initiative teile, mehr Lebensmittel direkt für die menschliche Ernährung statt als Tierfutter anzubauen. «Der Entscheid, die Ernährungsinitiative nicht länger zu unterstützen, basiert auf einer strategischen Fokussierung unserer politischen Arbeit, nicht einer inhaltlichen Distanzierung», so Greenpeace weiter. Man wolle sich jedoch prioritär in die Agrarpolitik 2030+ – und vor allem in die Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel – einbringen: «Deswegen empfehlen wir weder ein Ja noch ein Nein».
Initiantin bedauert fehlende Unterstützung
Initiantin Franziska Herren bedauerte es auf Anfrage sehr, dass die Umweltorganisationen die Initiative nicht weiter unterstützten. «Wir erleben mit voller Wucht, was es für die Landwirtinnen und Landwirte sowie für die Bevölkerung bedeutet, dass unsere Landwirtschaft nicht auf den Klimawandel vorbereitet ist», so Herren weiter. Der Hitzesommer 2003 habe schon vor 23 Jahren gezeigt, wie schnell Trinkwasser und Wasser für die Landwirtschaft durch den Klimawandel fehlen könne. Die Vorwürfe der Umweltorganisationen könne sie nicht bestätigen, sagte sie zu den Tamedia-Zeitungen.

2024 lag der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln bei 50 Prozent. Die Initianten fordern einen Wert von 70 Prozent.
zvg
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» will die Verfassung ergänzen. Namentlich fordert sie, dass der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt und entsprechend eine vermehrt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördert. Darauf müsste sich die Land- und Ernährungswirtschaft ausrichten, und auch Subventionen müssten entsprechend gestaltet werden. Erreicht werden müssten diese Ziele innerhalb von zehn Jahren.
-> Ernährungsinitiative ist sozial ungerecht
-> Sie wollen die Landwirtschaft umbauen