«Mit der AP30 will der Bund das Hofsterben aktiv fördern»

Die Zahl der Bauernhöfe in der Schweiz sinkt weiterhin rasant. Im vergangenen Jahr verschwanden mehr als zwei Bauernhöfe pro Tag. Gleichzeitig erschwert die Agrarpolitik 2030+ die Zukunft kleiner Betriebe. Die Kleinbauern-Vereinigung fordert deshalb ein Ende der «Wachse oder weiche»-Politik und mehr Unterstützung für Hofübergaben.

ome/pd |

Im vergangenen Jahr gaben 805 Höfe ihren Betrieb auf ( -> 805 Betriebe weniger: Schweizer Landwirtschaft weiter im Umbruch ). Seit dem Jahr 2000 haben insgesamt 24’267 Betriebe (34%) aller Bauernhöfe ihren Betrieb eingestellt. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb um 48 Prozent auf plus 7,3 Hektar.

Strategie ändern

Wie die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) in einer Mitteilung erinnert, setzt sie sich dafür ein, dass Bauernhöfe auch ausserfamiliär weitergegeben werden. Gleichzeitig wirft sie dem Bundesrat vor, mit der Agrarpolitik 2030+ das Hofsterben gezielt zu fördern ( -> «Wie viele Landwirtschaftsbetriebe müssen aufgeben?» ).

«Um Flächenwachstum zu ermöglichen, opfert der Bundesrat bewusst Bauernbetriebe», schreibt die VKMB. Die Kleinbauern-Vereinigung interpretiert dies so: Kleine Höfe sollen verschwinden, damit grosse weiter wachsen können. Für die VKMB sei es deshalb höchste Zeit von dieser «Wachse oder weiche»-Strategie abzukommen.

«Akzeptanz der Direktzahlungen bedroht»

Während der Bundesrat vor allem die wirtschaftlichen Vorteile von immer grösseren Betrieben betont, sieht die VKMB in dieser Entwicklung gravierende Folgen: Immer weniger, stark spezialisierte Betriebe schaffen Abhängigkeiten, schwächen die Widerstandsfähigkeit und gefährden die Versorgungssicherheit.

Gleichzeitig werde die Übernahme grosser, kapitalintensiver Höfe für die nächste Generation zunehmend unerschwinglich. Die Konzentration der Direktzahlungen auf immer grössere Betriebe würde zudem deren Akzeptanz in der Bevölkerung untergraben.

-> Direktzahlungen: Bundesrat zu Umverteilung bereit

Kleinbauern-Vereinigung wehrt sich gegen diese Entwicklung

In den nächsten zehn Jahren erreichen 42 Prozent der Betriebsleitenden in der Schweiz das Rentenalter oder werden es dann bereits erreicht haben. Fehlt eine Nachfolge innerhalb der Familie, wird der Hof oft aufgegeben. Das Wohnhaus wird abgetrennt und das Land verpachtet oder verkauft.

Die Abwesenheit einer Nachfolge in der Familie wird somit zu einem treibenden Faktor für das Hofsterben», schreibt die VKMB. Gleichzeitig suchen viele gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte einen Betrieb zur Übernahme. Sie scheitern aber häufig an bestehenden Hürden.

-> So wollen die Kleinbauern das Hofsterben stoppen

Ausserfamiliäre Hofübergaben gegen das Hofsterben

Für die Kleinbauern-Vereinigung sei klar, dass ausserfamiliäre Hofübergaben eine wichtige Rolle spielen, um dem Hofsterben in der Schweiz entgegenzuwirken. Dafür brauche es gezielte Unterstützung sowie den Abbau bestehender Hürden und Fehlanreize.

Die Kleinbauern-Vereinigung vermittelt deshalb seit 2014 ausserfamiliäre Hofübergaben. 2024 wurde dafür eine digitale Hofplattform lanciert, auf der sich Hofsuchende und Hofabgebende direkt finden können. Im vergangenen Jahr registrierten sich 76 Hofabgebende und 194 Hofsuchende. Über die Plattform wurden 30 Hofübergaben vermittelt werden, darunter sechs definitive Verpachtungen und zwei Hofverkäufe.

-> «Kleinbauern werden diskriminiert»

Kommentare (17)

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  • Kollege | 18.05.2026
    Mein mittlerer Betrieb wird nicht aufgegeben, weil er unrentabel ist, sondern weil sich der potentielle Nachfolger für ein MINT Studium entschlossen hat. Er hat keine Lust sich mit stetig steigenden, teils idiotischen, DZ Vorgaben rumzuschlagen. Dank dem grün unterwanderten BLW werden immer tiefergreifende Prodiktionseinschränkungen ins DZ System implementiert.
    Nicht Grossbauernpolitik treibt Nachfolger vom Hof, sondern baumannsche "nur-klein-und-grün-ist-gut" Dogmen machen einem den Beruf zum Verleiden.
    • ueli keller | 21.05.2026

      Leider geht es mir wie "Kollege". Ob sie es im Leben dadurch einfacher haben ?

  • Dana | 17.05.2026
    Die kleinen Höfe sind wichtig auch für Tourismus und gehören zu dem traditionellen Bild der Schweiz. Einen grossen Schweinemastbetrieb kommt niemand bewundern.
  • Beat | 15.05.2026
    Die kleinen die immer im Sinn der grossen Bauern gewählt haben, merken erst jetzt, dass sie von den grossen über den Tisch gezogen wurden.
  • Schefer | 14.05.2026
    Die Beamten müssen sich der Anzahl Betriebe anpassen!!!! Dann bleibt pro Betrieb mehr Geld die dem Bauern zusteht!
    Gruss aus der Melkergrube
    • Vewe | 15.05.2026
      Den Bauern steht wie bei jedem KMU das selbst erwirtschaftete Geld zu.
      Die ganzen Querfinanzierungen bedeuten nur Mehrkosten und Mehrarbeit für den Bund.
  • Martin | 14.05.2026
    Beispiel
    Mechaniker fertigte vor 40 Jahren konventionel, d.h. pro Maschine ein Arbeiter, heute macht eine CNC Maschine soviel wie früher 20 Arbeiter.
    Bei den Bauern sieht die Entwicklung bezüglich Maschinen, Technik ähnlich aus.
    Die zu bearbeitende Fläche ist gleich geblieben. Die Anzahl und grösse, produktivität ist gestiegen. Das geht nicht auf!
    Ein Betrieb sollte statt 20ha im minimum 400ha haben.
    Bauen Wohnungen, Industrie nur in Hanglage und Landwirtschaftsland in der Fläche wäre ein weiterer Punkt.
    Fleischproduktion in der Schweiz massiv herunterfahren und nur noch dort wo menschliche Nahrung nich möglich ist.
    Fleisch aus Länder beziehen mit grossen Flächen (ich esse Fleisch).

    Da wäre einiges zu ändern!
    Ich wünsche allen ä schöne Abe.

    Liebe Grüsse
    Martin
    • Vewe | 15.05.2026
      Richtige Einschätzung Betriebe vergrössern und finanziell in die Freiheit entlassen.
      Bei dieser Grösse wären alle Subventionen zu verzichten.
      Der Bauernverband muss sich entscheiden selbständiges KMU oder Aufgabe des Betriebs.
    • Peter | 16.05.2026
      Hallo Martin

      Im 19. Jahrhundert lag die Arbeitszeit eines Fabrikarbeiters bei 12 bis 16 Stunden pro Tag (bis zu 80–90 Stunden in der Woche) die 7-Tage-Woche waren Standard.

      Im 21. Jahrhundert liegt die Arbeitszeit eines Arbeitnehmers bei 8 Stunden pro Tag (41 Stunden die Woche) mit 5 Wochen bezahlte Ferien.
      Mich persönlich würde es Interessieren, wie viele Arbeitnähmer sich seit dem 13. Mai im verlängertem Wochenende befinden? Übernächste Woche ist dann wieder Pfingsten und die Woche darauf beginnen dann schon die Sommerferien.

      Da wurde einiges geändert!

      Liebe Grüsse zurück
      Peter
  • Verbundene Scholle | 14.05.2026
    Wer ernährt die Bevölkerung? Kleinbetriebe ernähren die Mehrheit der Bevölkerung. Grossbetriebe werden irgend wann stillgelegt werden müssen, die jungen sehen kein Lichtblick für deren Zukunft, Lebenslang abzahlen und nach dem Tod immer noch anzahlen, finden keine Fachkräfte mehr, da ein Angestellter in der Privatwirtschaft mehr verdient, ein EFZler möchte in der Schweiz selbständig werden und deshalb einen eigenen Betrieb führen, mit der Zeit werden kleine Flächen nicht mehr bewirschaftet und ebenfalls unschöne Flächen. Wer sagt, dass Grossbetriebe eine bessere Rendite abwerfen? Biodiversitätflächen werden schwinden und deren vielseitigen Varianten, da die Zeit fehlen wird. Die Politik weiss einfach nicht, wie es in der Basis läuft. Kleinbertriebe sind sicher mit Herzblut dabei, da sie eine Doppelbelastung auf sich nehmen.
    • Heidi | 15.05.2026
      Doppelbelastung, die Sie mit quer finanziertem Maschinenpark locker wett machen.
  • Priska | 14.05.2026
    Ich hoffe die kleinbauern wissen dass sie keine SVPwählen sollten.
  • Daniela Nef | 14.05.2026
    Es wäre wichtig,auch kleinere undxmittkere Bauernhöfe zu erhalten. Es kann nicht sein,dass Parmelin und co.vieles kaputtmacht. Die kleineren Betriebe sind meistens finanziell besser da,als grosse,weildiese viel investieren müssen in teure Geräte,damit sie möglichst ohne Angestellte durchkommen. Und da diese in Bern uns Bauern immer mwhr aufhalsen,gibt es immer mehr Suizide und Burnours. Die Ju gen wollen gar nicht mehr übernehmen,weil sie segen,wie igre Eltern so körperlich zu Grunde gehen!!! Parnelin sollein anderes Departement führen oder zurücktreten,so geht das nicht..
    • Ulrich Heimberg | 14.05.2026
      Und warum kosten uns immer weniger Betriebe IMMER MEHR ? Kann und darf ja nicht sein ! Schafft die Lobbyarbeit ab !!
    • Ulrich Heimberg | 14.05.2026
      Und wie hilft Ritter und der Verband ? Können ja nicht einmal Hilfskassen richtig und nachhaltig verwalten !
    • Vewe | 15.05.2026
      Bitte denkt auch einmal an die Steuerzahlenden. Wie lange noch sollen wir euch künstlich am Leben erhalten.
      50 Prozent, dh 100 000 Franken Subventionen des Einkommens werden jährlich gesprochen. Hat dies noch irgendetwas mit Selbständigkeit zu tun.
    • Kollege | 20.05.2026
      Ich denke Parmelin macht sein möglichstes in dem 7-er Kollegium, um der Landwirtschaft eine vernünftige Grundlage zu erhalten. Dort hat nur mit Rösti einen, der ihn darin unterstützt. Stellen Sie sich vor, dass sich solche wie Heimberg durchsetzen könnten! Diese Stimmen gibt es in der FDP, der GLP und auch in der SP. Den Grünen kann ein iBetrieb nicht klein genug sein, die möchten nur noch Nebenerwerbler. In diesem Mix etwas vernünftiges zu erreichen, ist eine Gratwanderung auf sehr schmalem Grat.
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