Bio-Privileg bei Emmi: Das sagt Bio Suisse

Den brutal tiefen Milchpreis von 15 Rp./kg gibt es bei Emmi nur für die Suisse-Garantie-Milch. Bei der Biomilch gilt die Grenze von 105% nicht. Bio Suisse erklärt, der Biomilchmarkt funktioniere anders.

Daniel Salzmann |

Weil nicht mehr alle Milch verarbeitet werden kann, ruft die Branchenorganisation Milch (BOM) die Milchkäufer dazu auf, für die Milchmenge, die 105% der Vorjahresmonatsmenge überschreitet, nur noch einen Preis deutlich unter dem ungestützten C-Milch-Richtpreis zu bezahlen. Die Mittelland Milch und die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) setzen dies bei der Suisse-Garantie-Milch ziemlich genau so um. Für diese Milch gibt es noch 15 Rp./kg.

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Emmi: Für Bio gilt keine 105%-Grenze

Anders ist es bei der Biomilch, die bei der Mittelland Milch rund 10% der totalen Biomilchmenge ausmacht und die im Dezember 2025 in der Summe aller Biomilchlieferanten 15.7% über der Vorjahresmonatsmenge lag. Bei der Biomilch wurde der bestehende Deklassierungsabzug über die gesamte Milchmenge, die ein Betrieb anliefert, von 5 auf 7 Rp./kg erhöht. Bei der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) gibt es für Biomilch ausserhalb der Monatsvertragsmenge 68,0 Rp./kg.

Einen Preis von 15 Rp./kg gibt es bei der Biomilch nicht, sogar wenn ein Betrieb mit nur wenig mehr Kühen derzeit sogar fast 200% des Vorjahresmonats bringt (dem «Schweizer Bauer» ist ein solches Beispiel bekannt). Die entsprechenden Biomilchbetriebe müssen sich dafür nicht rechtfertigen, sie liefern nur die Milch ab, ihr marktmächtiger Abnehmer Emmi entscheidet darüber, wie er die Biomilch bezahlt.

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Bio Suisse: Preissenkung wäre falsches Signal

Hingegen ist es bemerkenswert, dass Bio-Suisse-Geschäftsleitungsmitglied Andreas Bisig vor wenigen Tagen auf LinkedIn schrieb, dass eine Preissenkung bei der Biomilch ein falsches Signal wäre und die Perspektive der Produzentinnen und Produzenten schwächen. Langfristig habe man zu wenig Biomilch, so Bisig.

Als er das auf LinkedIn las, schrieb ein Suisse-Garantie-Milch-Produzent dem «Schweizer Bauer»: «Das gilt auch für mich.» Tatsächlich stellte es SMP-Kommunikationschefin Christa Brügger etwa in Wattwil SG im November an einem Anlass der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) so dar, als werde man langfristig nicht zu viel Milch haben, eher zuwenig.

->  «Milchpreissenkung ist ein falsches Signal»

Engpass ist bei der Verpulverung

Die Meldung über die Schonung bei der Biomilch im «Schweizer Bauer» vom Mittwoch sorgte für Diskussionen. Sabrina Schlegel, die Präsidentin der Mittelland Milch, warf dieser Zeitung auf ihrem Whatsapp-Status sogar eine «Falschmeldung» vor. Sie schrieb dort: « Wir lassen uns nicht gegeneinander aufhetzen! Falschmeldung im Schweizerbauer: es gelangt keine Biomagermilch in den konventionellen Kanal – diese wird mit den Deklassierungsbeiträgen exportiert!»

Am Mittwoch stand aber nicht in der Zeitung, dass die deklassierte Biomagermilch den Schweizer Milchmarkt belastet. Da diese exportiert wird, geht es nicht um den Schweizer Markt. Sondern es geht um die Verarbeitungskapazitäten. Der Engpass ist dabei die Verpulverung der Magermilch bei Emmi in Dagmersellen LU. Und Emmi bestritt auf Anfrage nicht, dass die Biomagermilch, die deklassiert und exportiert wird, ebenfalls in Dagmersellen verarbeitet wird. Emmi hätte beispielsweise mitteilen zu können, dass die überschüssige Biomagermilch in Lastwagen ins Ausland gebracht wird, um dort verarbeitet zu werden. Das tat Emmi nicht.

Biomagermilch verstopft Emmi-Pulvertürme

Also trägt die Biomagermilch in Dagmersellen zum Engpass bei, auch wenn sie nur den kleineren Teil der zusätzlich anfallenden Mengen beiträgt, weil Bio generell nur 8.2% des Schweizer Milchmarkts ausmacht (auch bei der Mittelland Milch sind es nur rund 10%).

Damit könnte es sein, dass die Verschonung der Biomilchproduzenten durch die Emmi, indem diese bei der Biomilch kein hartes Preissignal per 1. Februar gegen ein Überschiessen gegenüber der Vorjahresmengen macht, zum Food Waste beiträgt. Indem noch mehr Magermilch, sei sie konventionell oder ursprünglich Bio, nur in der Biogasanlage verwertet wird.

«Biomilch verfolgt anderen Ansatz»

In einem Austausch am Donnerstagnachmittag wies Andreas Bisig, Verantwortlicher für die Märkte bei Bio Suisse, darauf hin, dass die Biomilchmarktpartner einen anderen Ansatz verfolgen, als es die Branchenorganisation Milch für die konventionelle Milch tut. Er betont, dass es für das Biomilchfett innerhalb der Emmi einen Absatz im Biokanal gebe. Daraus folgt, dass ein C-Milch-Preis, wie er aus dem Export von Fett und Protein auf den Weltmarkt erfolgt, für Biomilch nicht angemessen wäre.

Auch die Butterlager seien im Biobereich normal. Indem Emmi den Deklassierungsabzug von 5 auf 7 Rp./kg erhöht habe, habe sie sehr wohl auch ein Signal gesetzt, man schaue nicht zu. Bisig sagt, dass der Absatz bei der Biomilch sich vorteilhafter darstelle als bei der Suisse-Garantie-Milch. Im vergangenen Jahr sei der Biomilchabsatz um 3% gewachsen. Die konventionellen Milchprodukte haben derweil im Inland und im Ausland Marktanteile verloren.

«Der Verarbeiter bestimmt»

Thomas Herwig, Leiter der Fachgruppe Milch von Bio Suisse, ergänzt, dass der Verarbeiter bestimme, wie er die Milch einkaufe und was er mit der Milch mache. Bio Suisse habe da nur einen beschränkten Einfluss. Es ist tatsächlich so: Letztlich hat Emmi entschieden, die Biomilchproduzenten angesichts des Verarbeitungsengpasses in Dagmersellen privilegiert zu behandeln, obwohl mit allergrösster Wahrscheinlichkeit auch von den Biomilchproduzenten Magermilch in Dagmersellen landet (Emmi gibt dazu keine Auskunft). Seitens Bio Suisse wird betont, dass der Bio-Milchmarkt eben nicht gleich funktioniere, weil er nachfrageseitig ein Wachstum aufweise.

«Bald zuwenig Biomilch»

Sowohl Bisig wie Herwig gehen davon aus, dass man in der Schweiz schon recht bald eher zu wenig oder ganz zu wenig Knospemilch haben werde, nachdem die Biomilch bereits in den vergangenen Jahren knapp verfügbar gewesen sei. Mit den neuen Fütterungsrichtlinien sei es nicht einfacher geworden, und recht viele junge Berufsleute wollten nicht Milch produzieren, sagt Herwig.

Bisig betont, dass sich die Marktpartner bei der Biomilch gemeinsam Ende 2025 entschieden hätten, den Grundpreis für Biomilch und damit auch die Verkaufspreise für Biomilchprodukte in der Schweiz nicht zu senken. «Dies wäre ein falscher Anreiz in einem bereits eher knappen Markt. Es ist eine Stärke des Bio-Milchmarktes, nach bio-spezifischen Lösungen zu suchen», so Bisig.

Im konventionellen Bereich mehr Importdruck

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hat mit seiner A-Richtpreissenkung per 1. Februar um 4 Rp./kg anders gehandelt. Die Richtpreissenkung wird sehr wahrscheinlich im Februar oder im März auch zu leicht tieferen Ladenpreisen für die Suisse-Garantie-Milchprodukte führen. Bei der konventionellen Milch ist der Importdruck viel höher als bei Bio, inländischer Mozzarella könnte bei zu grossem Preisabstand sonst etwa durch (noch mehr) ausländischen ersetzt werden.

Bisig sagt abschliessend: «Das gemeinsame Ziel der Biomilchmarktpartner sei es, die Wertschöpfung für alle Stufen der Wertschöpfungskette sicherzustellen im sicherzustellen im Hinblick darauf, dass die Biomilchproduktion und der Verkauf von Biomilchprodukten attraktiv bleiben.»

Aaremilch hat aktuell zuwenig Biomilch

Bei der Aaremilch ist die Biomilch ebenfalls von der 105%-Grenze ausgenommen, die sie bei den konventionellen Betrieben ab dem 1. Februar anwendet. Die Aaremilch teilt auf Anfrage aber mit: «Die aktuellen Biomilcheinlieferungen bei der Aaremilch liegen derzeit unter jener Menge, die von der Aaremilch vollständig als Biomilch vermarktet werden kann.»

Die Mengenentwicklung werde laufend und sehr eng beobachtet. «Sollte es zu einem Anstieg der Biomilchmengen kommen, werden wir umgehend entsprechende Massnahmen prüfen und umsetzen», schreibt die Milchhändlerin. Vermutlich wirkt sich hier die Nähe der Aaremilch zur Migros-Molkerei, die 50% der Aaremilch besitzt, positiv aus.

Mooh: C-Milch à 20 Rp./kg auch für Knospemilch

Bei der Mooh ist es so, dass sowohl von der silofreien als auch der mit Silo hergestellten Biomilch C-Milch abgerechnet wird bei Überlieferung. Wer im Basismodell ist mit Biomilch, hat im Februar 5% C-Milch, deren Lieferung freiwillig ist. Wenn sie geliefert wird, gilt sie nur 20 Rp./kg.

Wer beim Planungsmodell ist mit fixer Menge pro Monat, der bekommt für 50% der Überlieferung mit Biomilch ebenfalls nur den C-Milch-Preis von 20 Rp./kg ausbezahlt. Denn die Mooh hat, anders als die Emmi, nicht für alles Milchfett in der Biomilch einen Bioabsatz. Dass sie auch für Biomilch nur den C-Preis bezahlt, bedeutet, dass auch von Schweizer Knospemilch teilweise Fett und Protein als konventionelle Produkte auf dem Weltmarkt endet – das ohne Bio und ohne Swissness.

Kommentare (3)

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  • Res Bärtschi | 24.01.2026
    Der Biomilchmarkt hat eben etwas mit Markt zu tun. Kein Abnehmer würde 80Rp. für Biomilch bezahlen, wenn er diese dann für 20 oder 30Rp. verscherbeln müsste. Somit ist da wohl noch nicht viel aus den Fugen geraten. Es ist immer wieder interessant, wie Daniel Salzmann mit der Lupe nach Bevorteilungen der Biobauern sucht. Die wenige überschüssige Biomilch, welche nicht mal ein Prozent der Milchmenge ausmacht, soll also schuld daran sein, dass die Pulvertürme verstopft sind! Wäre interessant, wenn man statt Prozente einmal Kilo Milch in die Abhandlung einbauen würde. Dann sähe man schnell, was wirklich das Problem ist.
  • Biomäucher | 24.01.2026
    Das ganze ist doch ganz einfach..
    Der Entscheid ob der jeweilig ausbezahlte Milchpreis genügend ist, fällt jeder Mäucher für sich!!
    Wenn JA : weitermelken
    Wenn NEIN: aufhören und ab auf Weltreise..
    • Altlandwirt | 25.01.2026

      Genau so ist es!

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