Milch: Drei Rappen mehr für Bioproduzenten

Der heisse und trockene Sommer hat in der Landwirtschaft Spuren hinterlassen. Erträge und Leistungen sind gesunken. Produzentinnen und Produzenten von Biomilch erhalten ab Oktober drei Rappen mehr pro Kilo. So soll ein Abbau des Kuhbestands verhindert werden.

Reto Blunier |

Die Kosten für die Milchproduzenten sind deutlich gestiegen. Aufgrund der Trockenheit mussten zahlreiche Betriebe bereits Teile der Winterreserven verfüttern oder Futter zukaufen.

Schlachtungen und Virus

Viele Bäuerinnen und Bauern haben auch Kühe in den Schlachthof gebracht. Im Juni und Juli wurden laut der Branchenorganisation Proviande rund 7000 Kühe mehr geschlachtet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Anstieg von knapp einem Drittel.

->  7000 Kühe mehr geschlachtet

Zudem machte ein Virus den Kühen arg zu schaffen. Im Sommer wurden in der Schweiz Tausende Kühe krank. Die häufigsten Symptome waren Durchfall und Fieber, was zu starken Leistungseinbussen führte. Die Milchproduktion sank bei zahlreichen Betrieben um bis zu 30 Prozent. Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) aus Deutschland haben den Erreger als nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe identifiziert, zu der auch das Schmallenberg-Virus gehört.

->  Dieses Virus macht die Kühe krank

Produzenten im System behalten

Für konventionelle wie biologisch produzierende Milchbauern hat sich die wirtschaftliche Situation verschärft. «Vor diesem Hintergrund wird der Produzentenpreis für Biomilch per 1. Oktober 2026 um 3 Rappen pro Kilogramm erhöht», schreibt Bio Suisse in einer Mitteilung. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Bio-Milchproduktion sollen so verbessert und ein weiterer Abbau des Milchkuhbestands verhindert werden.

Bio Suisse will mit der Erhöhung aber auch erreichen, dass die bestehenden Produzenten nicht aussteigen. Diese Gefahr stuft die Organisation offenbar als erhöht ein. Denn laut Bio Suisse liegen bei der Biomilch die Einlieferungen unter dem Vorjahresniveau. Zudem gibt es nur eine geringe Anzahl Umstellbetriebe. Die 3 Rappen sollen also einerseits die Mehrbelastungen auf den Betrieben abfedern. Aber andererseits sollen sie die Produktion sichern.

«Es ist wichtig, die bestehenden Bio-Milchproduzenten langfristig im Markt zu halten und Perspektiven für die Zukunft zu schaffen», schreibt Bio Suisse. An der Nachfrage liegt es gemäss dem Dachverband nicht. Diese sei im Detailhandel «erfreulicherweise» hoch.

4 Rappen mehr für konventionelle Milch

Ende August wurde bereits im konventionellen Segment eine Preiserhöhung kommuniziert. Die Branche erwartet deutlich weniger Milch in den kommenden Wochen. Der Richtpreis für Industriemilch im A-Segment wird am 1. Oktober um 4 auf 82 Rappen pro Kilo erhöht. Gemäss den Berechnungen der Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind die Produktionskosten pro Kilo Milch im Durchschnitt aber um 12 Rappen gestiegen. Die auf Raufutter basierende Milchproduktion sei von der Trockenheit besonders betroffen.

Verarbeiter und Handel gelten aber nur einen Teil der Mehrkosten mit der Richtpreiserhöhung über den Markt ab. «Obwohl die massgebende Richtpreisbasis keine Erhöhung angezeigt hätte, ist ein positives Zeichen der Branche äusserst wichtig», teilte die Branchenorganisation Milch (BOM) mit. Um die finanziellen Auswirkungen zu dämpfen, erwartet die BOM auch ein Zeichen aus der Politik. Konkret soll der Bund für die kommende Periode der Winterfütterung die Zulage für Verkehrsmilch, befristet für ein halbes Jahr, um 4 Rappen pro Kilo Milch erhöhen. Diese erhöhte Zulage soll über einen vom Parlament beschlossenen Nachtragskredit für 2026 finanziert werden, fordert die Branchenorganisation.

->  Milch: Richtpreis steigt um 4 Rappen

Die Erhöhung des Richtpreises ist gemäss BOM auch mit Risiken behaftet. Die Milchpreise im Ausland seien nach wie vor sehr tief. «Und die Butter-, Käse- und Milchpulverlager sind voll», hält die BOM fest. Um die grösser gewordene Preisdifferenz abzufedern, werden die Preisausgleichsbeiträge aus dem Fonds Rohstoffverbilligung am 1. Oktober ebenfalls erhöht.

Kommentare (1)

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  • Rhyner | 15.09.2026
    Da wird von 82 Rp. gesprochen. Die Bauern erhalten aber 50 bis 55 Rp. Da soll man noch schlau werden.
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