
Der Kanton St. Gallen konnte den neuen Besitzer des Barenegg-Hofs aus einer Vielzahl von Interessierten auswählen. Links im Bild die Scheune für die Mutterkühe.
Screenshot Verkaufsdokumentation
Der Barenegg-Hof gehörte dem Kanton St. Gallen und wurde die letzten 30 Jahre gepachtet. Seit Mitte Juli sind nun Markus und Marianne Näf stolze Besitzer des 78 Hektar grossen Betriebs. Sie werden ihn als Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung weiterführen. Die für die Finanzierung aufgenommenen Schulden werden für das Ehepaar jedoch eine langfristige finanzielle Belastung bleiben.
Der Verkauf des aussergewöhnlich grossen Landwirtschaftsbetriebs war politisch umstritten. Hauptkritikpunkte waren die späte Nachfolgeplanung, die Intransparenz des Verfahrens sowie offene Altlasten, wie die Stacheldrahtzäune. Trotz dieser Kontroversen stiess der Hof auf grosses Interesse. Mehrere Parteien waren bereit den Höchstpreis zu zahlen. Den Zuschlag erhielten Markus und Marianne Näf.
Zwischen Vorfreude und Ehrfurcht
Wie «Schweiz heute» berichtet, mischt sich beim neuen Besitzerehepaar Ehrfurcht mit Vorfreude. Einerseits freuen sie sich darauf, auf dem Hof, den sie schon lange ins Auge gefasst haben, ihre Träume zu verwirklichen. Andererseits haben sie grossen Respekt vor der Arbeit auf dem in über 1000 Metern Höhe gelegenen Hof.
Die Höhenlage wirkt sich auf die Bewirtschaftung und den Ertrag aus. Beim Mähen sei Markus Näf bewusst geworden, wie gross und arbeitsintensiv der Betrieb ist. Aber die Vorfreude überwiegt: «Die Möglichkeit, hier zu arbeiten, gibt's kein zweites Mal - das ist besonders», sagte er der Onlineplattform.
«Der Futterertrag ist deutlich tiefer»
Markus (30) und Marianne (32) Näf sind beide auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen und waren bisher zu 100 Prozent angestellt. Der Meisterlandwirt Markus Näf wuchs auf einem Alpbetrieb auf und arbeitete zuletzt als Dachdecker und auf anderen Betrieben. Für beide werden sich die Herausforderungen nun schlagartig ändern: «Wir merken schon jetzt: Im Tal liegt der Futterertrag deutlich höher als auf der Barenegg», wird Markus Näf von «Schweiz heute» zitiert.

Zum Hof gehört ein denkmalgeschütztes Wohnhaus.
Screenshot Verkaufsdokumentation
Der Hof Barenegg umfasst eine Gesamtfläche von 78 Hektar, davon entfallen 41 Hektar auf LN, 16 Hektar auf Weideland und 37 Hektar auf Wald. Zum Hof gehören ein denkmalgeschütztes Wohnhaus, ein Nebenhaus sowie mehrere Stall- und Wirtschaftsgebäude ( -> 78-Hektar-Betrieb verkauft). Das Ehepaar Näff will den Hof als extensiven Grünlandbetrieb weiterführen. Allmählich soll eine Mutterkuhherde für die Fleischproduktion aufgebaut werden.
Politische Kritik am Verkaufsprozess
Der Betrieb wurde während rund 30 Jahren von Walter und Heidi Fässler bewirtschaftet. Ende 2025 lief ihr Pachtvertrag aus, und das Ehepaar trat in den Ruhestand. Bereits damals wurde kritisiert, dass der Kanton St. Gallen als Eigentümer viel zu spät entschieden habe, ob der Hof verkauft oder neu verpachtet werden solle.
-> Hof Barenegg: Steht er bald leer?

Sie haben den Hof bis Ende 2025 geführt: Walter und Heidi Fässler haben den Hof Barenegg rund 30 Jahre lang gepachtet und sich auf Mutterkuhhaltung spezialisiert.
Susanne Meier
Nachdem der Hof Anfang 2026 leerstand, geriet der Verkaufsprozess zum Politikum. Mehrere SVP-Kantonsräte warfen dem Kanton einen schleppenden und wenig transparenten Ablauf vor. Sie stellten zahlreiche Forderungen, darunter die Sicherstellung der Rechtssicherheit bezüglich Direktzahlungen und anderer finanzieller Risiken.
-> Grosses Kaufinteresse an 78-Hektar-Hof.
Grosse Nachfrage trotz Unsicherheiten
Zusätzliche Brisanz erhielt der Verkauf durch alte Stacheldrahtzäune auf dem Grundstück. Seit Oktober 2025 sind solche Zäune ausserhalb der Sömmerungsgebiete im Kanton St. Gallen verboten. Politiker befürchteten, dass dadurch finanzielle Belastungen oder gar Bussen auf den neuen Eigentümer zukommen könnten. Die Entfernung der rund 3,3 Kilometer langen Stacheldrahtzäune wurde jedoch noch vor dem Eigentümerwechsel durch den Kanton organisiert und bezahlt.
-> Hof Barenegg: Ein Verkauf mit «Stacheldraht-Hypothek»?
Trotz der bestehenden Unsicherheiten war die Nachfrage sehr hoch. In der ersten Runde gingen 74 Angebote ein. In der zweiten Phase verblieben 30 ernsthafte Kaufinteressenten. Der amtlich ermittelte Wert liegt bei rund 2,17 Millionen Franken. Der Kaufpreis war aufgrund des bäuerlichen Bodenrechts auf 2,8 Mio. Franken begrenzt. Da mehrere Interessenten diesen Höchstpreis geboten hatten, sollte die Gesamtbewertung der Bewerber über den Zuschlag entscheiden.
-> Bieter-Kampf: Wer schnappt sich den Barenegg-Hof?
Höchstzulässiger Verkaufspreis
Das Ehepaar Näf sieht sich bereits im ersten Betriebsjahr mit einer grossen Herausforderung konfrontiert. Der frühere Pächter, Walter Fässler, erhielt jährlich 100'000 Franken Direktzahlungen. Das Ehepaar Näf muss vorerst auf diese Zahlungen des Bundes verzichten. Dies, weil der Verkauf erst nach dem 2. Mai abgeschlossen wurde, dem letzten Termin, zu dem der Bezug von Direktzahlungen angemeldet werden konnte.
Der Hof wurde gemäss bäuerlichem Bodenrecht zum höchstzulässigen Verkaufspreis veräussert. Das Ehepaar Näf konnte zwar auf Reserven zurückgreifen, doch ohne zusätzliche Finanzierung wäre der Kauf laut «Schweiz heute» nicht möglich gewesen. «Das wird uns beschäftigen, solange wir buuren», so Markus Näf. Für den Hof Barenegg zahlte das Ehepaar Näf 2,79 Millionen Franken.