LSD: Schweiz verbietet Sömmerung in Frankreich

Wegen der Krankheit wurden in den vergangenen Monaten in Frankreich zahlreiche Betriebe gesperrt. Auch hunderte von Tieren wurden gekeult. Wegen der Lumpy-Skin-Disease will die Schweiz die Sömmerung von Tieren in Frankreich verbieten.

sal/sum/blu |

Kürzlich sprach der Berner Kantonstierarzt Reto Wyss bei der Versammlung der IG Anbindestall in Thun BE auch über die Bekämpfung der Lumpy Skin Disease (LSD). Der Bund erwäge deswegen für das Jahr 2026 ein Verbot der Sömmerung in Frankreich, die Westschweizer Bauernverbände würden sich dagegen wehren, der Bund entscheide bald.

So erfolgt die Ansteckung

Die wichtigste Rolle für die Verbreitung spielt die indirekte Erregerverbreitung durch stechende Insekten (beispielsweise Bremsen, Fliegen, Gnitzen, Stechmücken), Milben und Zecken.

Die Übertragung ist auch durch direkten Tierkontakt, infiziertes Sperma, unbehandelte Tierhäute und Felle und deren Produkte (zum Beispiel Jagdtrophäen), Rohfleischprodukte, Rohmilchprodukte und durch daraus gewonnenes Tierfutter inklusive Kolostrum möglich. ats

Das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit sagte dem «Schweizer Bauer», es werde zu Beginn der nächsten Woche über allfällige Massnahmen informieren. Traditionellerweise gehen mehrere Tausend Stück Rindvieh nach Frankreich zur Sömmerung.

Lumpy-Skin-Disease (LSD)

Die Krankheit befällt Rinder, Büffel und Bisons und verursacht wirtschaftliche Verluste, die hauptsächlich durch Milchleistungsrückgang und Schäden an der Haut bedingt sind. Bei von Lumpy Skin Disease befallenen Rindern bilden sich in der Haut Knoten von 0,5 bis 5 cm Durchmesser.

Die betroffenen Hautstellen sterben nach fünf bis sieben Wochen ab. Die Tiere zeigen ausserdem Symptome wie Fieber, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Nasen- und Augenausfluss sowie vergrösserte Lymphknoten. Die Krankheit ist jedoch nur in sehr seltenen Fällen tödlich.

Die Lumpy-Skin-Krankheit ist eine hochansteckende und somit meldepflichtige Tierseuche. Wer Tiere hält oder betreut, muss Verdachtsfälle dem Bestandestierarzt oder der Bestandestierärztin melden. Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich.

->   Mehr Infos gibt es hier

Nun erfuhr der «Schweizer Bauer» von einem Tierhalter aus dem Kanton Freiburg, er sei vom kantonalen Veterinäramt am Freitag darüber informiert worden, dass heuer keine Sömmerung in Frankreich erlaubt sei. Der Entscheid ist demnach gefallen.

Wie sich die Seuche ausbreitete

Am 21. Juni 2025 wurde auf der Insel Sardinen (I) in einem Rinderbetrieb Lumpy Skin Disease (131 Rinder, 7 Tiere erkrankt) festgestellt. Zwei weitere Fälle wurden am 25. und 26. Juni gemeldet. Es wird davon ausgegangen, dass infizierte Vektoren aus Nord-Afrika, wo die Seuche präsent ist, über Windvertragung nach Sardinien gelangt sind.

Am 25. Juni wurden zudem in Italien weitere Ausbrüche gemeldet.   Betroffen war ein Rinderbetrieb mit 291 Rindern, der aus dem ersten Seuchenbetrieb in Sardinien Tiere in den eigenen Betrieb verbracht hat. Ein Tier war erkrankt und verendete. Der zweite Ausbruchsort liegt im Norden Italiens in Mantua südlich von Verona. Der Ort ist nur 160 km von der schweizerischen Grenze entfernt.   Am 29. Juni 2025 wurde schliesslich im Departement Savoyen, das nur 40 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt ist , erstmals ein Fall von Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) in einem Rindviehbetrieb bestätigt.

Die Behörden richteten um den betroffenen Betrieb eine Schutzzone mit einem Radius von 20 km sowie eine Überwachungszone mit einem Radius von 50 km ein, die auch den Kanton Genf und angrenzende Gebiete des Kantons Waadt einschliesst. In der Folge breitete sich die Krankheit in Frankreich weiter aus.   Über 1000 Tiere wurden bisher gekeult.   Aufgrund eines neuen Ausbruchs in Beaufort bei Albertville (F) wurde die Überwachungszone in der Schweiz um Teile des Kantons Wallis mit den Regionen Champéry, Finhaut und Ferret erweitert.   In den Schweizer Schutzzonen haben die Behörden eine Impflicht verordnet       .

Anfang September wurde in Frankreich im Département Ain ein weiterer Ausbruch auf einem Betrieb nachgewiesen.   Weil der Hof weniger als 50 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt liegt, wurde die Überwachungszone auf den Bezirk Nyon ausgeweitet.      In elf Gemeinden im Bezirk Nyon VD wurden alle Rinder, Büffel und Bisons gegen die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) geimpft werden, um die Bestände zu schützen und eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Insgesamt wurden 1700 Tiere immunisiert. Mitte Oktober wurde im an die Schweiz angrenzenden französischen Departement Ain ein dritter LSD-Fall bestätigt. Betroffen war ein Bestand mit 180 Kälbern. Im französischen Jura wurden am 13. und 14. Oktober zudem zwei weitere Ausbrüche in der Gemeinde Écleux festgestellt, wo bereits am 11. Oktober ein erster Fall bestätigt worden war. Seither breitet sich die Seuche in Richtung Südwesten Frankreichs aus. Auf zahlreichen Betrieben wurden Rinder gekeult. Landwirtinnen und Landwirte trugen ihren Unmut bei Protesten an die Bevölkerung.

Wichtig: In der Schweiz wurde bisher kein Fall von LSD nachgewiesen. 

In der Schweiz ist zurzeit keine Impfung gegen die Lumpy-Skin-Krankheit zugelassen. Um eine umgehende Impfung sicherzustellen, hat der Bund vom 11. Juli 2025 bis zum 15. Dezember 2025, in Absprache mit der Arzneimittel-Zulassungsbehörde Swissmedic, eine Allgemeinverfügung erlassen. Auf deren Basis durften Impfstoffe gegen LSD, die sich bereits bei früheren Ausbrüchen in Europa bewährt haben, importiert und angewendet werden.  blu

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