Sonntag, 29. Januar 2023
01.12.2022 08:15
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«Sturmgewehr gegen Blackeneisen getauscht»

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Von: Dominic Spahr

Dominic Spahr (31) ist Landwirt und stellt sich neu der Herausforderung eines Agronomiestudiums. Regelmässig berichtet er, was er an der Hafl erlebt und was sonst so in seinem Leben passiert. Heute blickt er auf seine ersten Erfahrungen auf Feld und Stall zurück.

Ein gutes Jahrzehnt ist es her, seit ich meinen ersten und letzten WK absolviert habe. Obwohl ich die RS einigermassen gut überstanden hatte, wurde mir nach ungefähr zwei Wochen im Dienst plötzlich bewusst: «Heiliger Bimbam, darauf habe ich überhaupt keine Lust.» Dass der WK gemütlich, nicht so schlimm wie die RS, oder eigentlich fast so wie Ferien sein soll, hat sich für mich nicht bewahrheitet.  

Etwas, bei dem ich draussen sein kann

Also habe ich bei der ersten Gelegenheit dafür gesorgt, künftig nicht mehr einrücken zu müssen. Ein überraschend einfach ausgefülltes Formular später, hatte ich mich auch schon vom Militärdienst befreit und dem Zivildienst verpflichtet. Ich musste zwar anderthalbmal so viele Tage leisten, aber das war mir in dem Moment – und auch in jedem darauffolgenden Moment – hundewurst, denn für mich war der Zivildienst eindeutig viel bereichernd als das Militär.

Nachdem ich mich also für den Dienst verpflichtet hatte, musste ich dafür sorgen, dass ich ihn auch absolvieren kann. Viele Zivildienstler leisten ihre Tage in der Pflege oder im sozialen Bereich. Ich wollte jedoch lieber etwas machen, was mehr mit Handwerk zu tun hat. Etwas, bei dem ich draussen sein kann und etwas, das mit der Natur zu tun hat. Da ich seit jeher von der Landwirtschaft geprägt bin, schien mir das als die am nächsten gelegene Option.

Bio-Hof

Eine Dienststelle zu finden, gestaltete sich recht einfach, denn ich hatte keinerlei Ansprüche ausser, dass der Arbeitsplatz in einer französischsprachigen Region sein sollte. Also verschlug es mich auf einen wunderschönen Bio-Hof im Kanton Freiburg, wo ich meine ersten Erfahrungen auf dem Feld und im Stall machen durfte.

Dummerweise sprachen vor Ort alle perfektes Berndeutsch und meine Hoffnung, mit dem Erfüllen meines Dienstes auch noch meine Französischkenntnisse aufbessern zu können, war somit dahin. Das spielte jedoch keine Rolle. Schnell waren die Formalitäten geklärt und ich konnte den Dienst antreten.

Blacken stechen

Der Hof umfasst etwa 35 Hektaren Gesamtfläche, auf der Getreide und Obst und, mit einer Herde von etwa 25 Angus Mutterkühen, Weide- und Naturabeef produziert wird. Die Produkte werden im Hofladen verkauft, oder direkt an die Kunden und Kundinnen geliefert. Im Sommer sind die Tiere auf der Alp in den wunderschönen Freiburger Voralpen.

Der «Zweck» der Zivildienstleistenden in der Landwirtschaft ist es vor allem, beim Unterhalt und der Pflege von Ausgleichs- und Förderflächen zu helfen. Folglich war ich in den ersten paar Wochen damit beschäftigt. Vor allem mit Blacken stechen. Ich hatte das Sturmgewehr gegen ein Blackeneisen getauscht.

Grossen Gefallen an der Arbeit

Mit der Zeit konnte ich aber auch in anderen Bereichen wie im Stall, in der Werkstatt, auf dem Traktor, in der Obstanlage und im Wald mit anpacken. Ich fand schnell grossen Gefallen an den Arbeiten. Deshalb brauchte ich auch nicht lange zu überlegen, als die Betriebsleiter mir verkündeten, dass sie die Lehrstelle für das kommende Jahr noch nicht besetzen konnten und sie mir anboten. So trat ich die Lehre an und wurde einige Zeit später Landwirt.

Besuch nach langer Zeit

Im Rahmen einer Arbeit über Düngung und Pflanzenschutz von der HAFL hatte ich kürzlich das Vergnügen, den Hof wieder zu besuchen. Es ging darum, einige Informationen über einen Betrieb zu sammeln, um diese auszuwerten. Ich erhielt mit diesen Informationen aber auch Eindrücke, die mich an die Zeit als Lehrling zurückdenken liessen.

Und die mir vor Augen führten, dass der Weg den ich damals eingeschlagen hatte, auch wenn er noch ewig lange ist, ein guter war. Ich werde euch weiterhin darüber berichten, was auf diesem Weg noch so alles kommt. Macht es bis dahin gut und, wie immer, häbet Sorg.

Teil 14: «Wie heisst schon wieder dieses Kraut?» – Schweizer Bauer
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Teil 3: «Jahr beginnt für mich mit Corona»
Teil 2: Vom Traktor in den Hörsaal
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2 Responses

  1. Herzlichen Dank, als ehemalige Bauerntochter finde ich ihren Blog wunderbar und wird, solange unser Boden, d.h. Mutter Erde, respektiert wird, auch von mir unterstützt. Viele liebe Grüsse auch in der Hoffnung, dass Ihre Freude in der Natur zu arbeiten bestehen bleibt.

  2. Es ist eigentlich unglaublich und schweinerei wie schnell junge leute einfach vom millitärdienst entbunden werden und in einen sogenannten sozialdienst eingeteilt werden.

    zum glück gibt es aber noch werschafte junge leute die sich nich scheuen millitärdienst zu leisten zum wohle einer wehrhaften schweiz.
    Sie lieber herr dominic spar sind einfach schwach.

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