Montag, 6. Dezember 2021
22.11.2021 18:00
Freiburg

Nach Zoff – Bauernprojekt in Umsetzungsphase

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Von: blu

Am Montag wurde das Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) «Bio Gemüse Seeland» unterzeichnet. Damit soll der Gemüseanbau im freiburgischen Seeland gefördert werden. Im Vorfeld gab es Zwist zwischen den Bauern und der Fenaco.

Der Gemüsebau hat im Seeland eine wichtige Stellung. Um die die Position in einem wachsenden Markt zu stärken, spannen Gemüseproduzenten und Murten Tourismus für ein regionales Entwicklungsprojekt zusammen. Das Ziel: Mehrwerte für den Sektor des biologischen Gemüseanbaus im Seeland schaffen, Nachhaltigkeit weiterentwickeln sowie den Tourismus und die gemüsebaulichen Fachkompetenzen stärken.

Nicht immer war die Stimmung so gut (v.l.): Fritz Burkhalter, Präsident des Trägerverein PRE BioGemüse Seeland; Didier Castella, Staatsrat Kanton Freiburg; Christian Hofer, Direktor Bundesamt für Landwirtschaft.
Jules Moser, Foodfotografie

Zwei neue Gebäude in erster Etappe

Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen Bund, Kanton und den Projektträgern kann die Umsetzung des PRE «Bio Gemüse Seeland» in Angriff genommen werden. Die erste Etappe besteht im Bau von zwei neuen Gebäuden, um den dringenden Bedarf nach mehr Kapazität für die Konfektionierung von Gemüse zu decken.

Mit  gegründete gegründeten B2B PRE Bio Gemüse Seeland GmbH wird eine virtuelle Vermarktungsplattform für das gesamte Angebot des Biolandbaus aus dem Kanton Freiburg mit Ausrichtung auf die Gastronomie, Marktfahrer, Hofläden und den Detailhandel geschaffen. Die InnoPlattform-Bio GmbH wird ein Kompetenzzentrum für den biologischen Gemüseanbau.

Was ist ein PRE?

Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) wurden im Rahmen der Agrarpolitik 2007 eingeführt. Ideen von regionalen Interessensgruppen, welche zur Förderung der ländlichen Entwicklung beitragen, können durch das Förderinstrument PRE des Bundesamts für Landwirtschaft BLW unterstützt werden. Das Kernziel dieser regionalen Zusammenarbeit ist die Schaffung von Wertschöpfung in der Landwirtschaft. Durch die Zusammenarbeit im PRE soll das Potential in der Region ausgeschöpft werden und zu einem verbesserten landwirtschaftlichen Einkommen führen. Das Instrument der PRE wurde im Rahmen der Agrarpolitik 2007 eingeführt mit dem Ziel, die Agrarpolitik besser auf die Regionalpolitik abzustimmen.

Die Gemüsebauern wollen ihre Position am Markt stärken.
Hansjürg Hörler

79 Millionen werden investiert

«Es gibt der Landwirtschaft einer Region neuen Schwung. Die Stärke eines PRE ist denn auch die Zusammenarbeit, die Teamarbeit», sagte Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft. Insgesamt werden 79 Millionen Franken investiert. Das PRE « Bio Gemüse Seeland» wird vom Bund mit 7 Millionen Franken und vom Kanton mit 5,6 Millionen Franken unterstützt.

Die Beiträge von Bund und Kanton waren zuerst höher angedacht. Für das PRE-Projekt waren eigentlich öffentliche A-fonds-perdu-Beiträge im Umfang von 16,9 Mio. Franken vorgesehen. 9,4 Mio. Franken hätte der Bund über das Bundesamt für Landwirtschaft und  7,5 Mio. Franken der Kanton Freiburg besteuern sollen.

Fenaco befürchtete Wettbewerbsverzerrung

Doch daran störte sich die Fenaco. Sie erhob Anfang Januar Einsprache. Die A-fonds-Beiträge in die Infrastrukturen wollte die Fenaco überprüft haben. Denn laut dem Konzern hätten drei Viertel der Gelder in das Produktionsgebäude der Terraviva AG (11,1 Mio. Fr.) und jenes von Seeland Bio (1,7 Mio. Fr.) fliessen sollen. Dadurch entstehe eine Wettbewerbsverzerrung, kritisiert die Fenaco.

Denn die beiden Unternehmen haben gemäss dem Konzern einen Marktanteil von über 90 Prozent am Biomarkt Seeland. Gemäss dem Freiburger Staatsrat vermarkten die beiden Unternehmen 95 Prozent des im Seeland produzierten Bio-Gemüses. «Von den zwei Teilprojekten profitieren in erster Linie zwei führende privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen der nachgelagerten Stufe und nicht die produzierenden Landwirtinnen und Landwirte», kritisierte der Konzern.

Fenaco betreibt Obst- und Gemüsezentrale

Damit ein PRE-Projekt bewilligt werden kann, dürfen gemäss Strukturverbesserungsverordnung (Art. 13 Abs. 1) Investitionshilfen nur gewährt werden, wenn sich im wirtschaftlich relevanten Einzugsgebiet keine direkt betroffenen Gewerbebetriebe befinden.

Diesen Punkt sah der Agrarkonzern mit einem Umsatz von 7 Milliarden Franken beim Projekt der lokalen Bauern verletzt. «Durch die staatliche Subventionierung ihrer Neubauten entstehen der Terraviva AG und Seeland Bio massgebliche Wettbewerbsvorteile», hielt die Fenaco fest. Der genossenschaftlich organisierte Agrarkonzern betreibt im bernischen Ins, nur wenige Kilometer von Kerzers FR und Büchslen FR entfernt, eine Obst- und Gemüsezentrale. Diese sei ausschliesslich mit privaten Mitteln finanziert worden. Zudem hat die Fenaco in den vergangenen Jahren in den Standort investiert.

Die Fenaco agiere gegen die Bauern, kritisierten die Bioproduzenten aus dem Freiburger Seebezirk.
TrägervereinPRE BioGemüse Seeland

«Fenaco agiert gegen Bauern»

Die beiden Unternehmen haben gemäss Fenaco einen Marktanteil von über 90 Prozent am Biomarkt Seeland. Gemäss dem Freiburger Staatsrat vermarkten die beiden Unternehmen 95 Prozent des im Seeland produzierten Bio-Gemüses. 

Die Biobauern im Freiburger Seebezirk zeigten sich über die Einsprache sehr enttäuscht. «Die Fenaco agiert gegen die Biobauern und Bio-Gemüseproduzenten und gefährdet deren wirtschaftliche Zukunft, indem sie gegen das, in der Region gut verankerte <Projekt PRE BioGemüse Seeland>, Einsprache erhebt», teilte der Trägerverein PRE BioGemüse Seeland postwendend mit.

Dem Vorwurf der Fenaco, dass die nachgelagerten Betriebe und nicht die Bauern vom Projekt profitieren, wurde vom Trägerverein dementiert. «So profitieren eben genau die Produzenten von den gebündelten Vermarktungsleistungen und nicht nachgelagerte Dritt-Unternehmen», stellten die Bauern klar. Mit dem Einspruch wolle die Fenaco das Projekt ganz zu Fall bringen. 

Ein Drittel weniger Mittel

Die Parteien haben sich in der Folge getroffen. Und die Bauern mussten bei den öffentlichen Geldern deutliche Kürzungen hinnehmen. «Die Projektträger verzichten auf ein Drittel der kantonalen und Bundessubventionen für den Bau der beiden Gebäude: Kanton und Bund werden somit zusammen insgesamt 8,55 Millionen Franken beitragen anstatt der für diesen Projektteil vorgesehenen 12,82 Millionen. Die für die übrigen Projektteile vorgesehenen Beiträge werden unverändert beibehalten», teilt der Kanton im Juli 2021 mit. 

Für die Realisation des Produktionsgebäudes der Terraviva AG stehen neu öffentliche Gelder im Umfang von 7,4 Mio. Fr. (zuvor 11,1 Mio. Fr.) zur Verfügung. Seeland Bio erhält für die Realisation des Neubaus 1,1 Mio. Fr. (1,7 Mio. Fr.). 

Bauern enttäuscht

Die Fenaco zeigte sich zufrieden mit der Kürzung. «Mit dieser Einigung reduziert sich der öffentliche Subventionsanteil und somit auch die Wettbewerbsverzerrung im nachgelagerten Bereich massgeblich. Damit ist das Hauptanliegen unserer Einsprache erfüllt. Wir befürworten das grundsätzliche Ziel des Projekts», teilte die Fenaco

Bei den Bauern aus der Region war die Freude über die Einigung eingetrübt. Zwar zeigen sie sich zufrieden, dass das Projekt umgesetzt werden kann. Die Kürzung führe aber zu einer Mehrbelastung. «Trotz dieser massiven Reduktion der finanziellen Unterstützung haben die betroffenen Bio-Gemüseproduzenten eine Lösung mit einer grösseren finanziellen Belastung gefunden, um die zwei Bauprojekte zu realisieren, ohne auf die Umsetzung der weiteren Teilprojekte zu verzichten», liess sich Fritz Burkhalter, Präsident des Trägervereins, zitieren.

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3 Responses

  1. BIO-Gemüse-Seeland: De Füüfer und s‘Weggli, d‘Tochter vom Beck und es paar Bundesmillionä aus Usstüür no derzue!!! Vom Zibelemärit mit Träne i de Ouge, wies nume 13 statt 17 Millionä sou gäh! Herrjemine, wär git üs meh???

  2. Die grössten Neider sind in den eigenen Reihen! Lieber Millionen ins Ausland senden, selber keinen Mut haben Möglichkeiten einzusetzen um etwas für die Allgemeinheit zu machen und vor allem den Anderen Berufskollegen das Bein stellen! Als Tip! Wir könnten ja die Dierektzahlungen auch gleich noch streichen und dieses Geld auch noch sparen!
    Viel Spass beim Trütschen bündeln in Bern und hoffe das der alkoholfreie Glühwein genügend einfährt!

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