Freitag, 23. Juli 2021
14.07.2021 11:30
Freiburg

Weniger Geld für Bauern – Fenaco zieht Einsprache zurück

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu

Im Kanton Freiburg ist mit «Biogemüse Seeland» ein Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) vorgesehen. Gegen Teilprojekte legte die Fenaco Einsprache ein. Nun haben sich die Parteien geeinigt. Die staatlichen Hilfen für die Bauern fallen deutlich geringer aus. Die Einsprache wurde zurückgezogen.

Der Gemüsebau hat im Seeland eine wichtige Stellung. Um die die Position in einem wachsenden Markt zu stärken, spannen Gemüseproduzenten und Murten Tourismus für ein regionales Entwicklungsprojekt zusammen. Das Ziel: die Produktion koordinieren sowie neue Verkaufsplattformen und Angebote schaffen.

So möchte Murten Tourismus ein touristisches Angebot zum Biogemüse entwickeln. Ebenfalls soll ein Kompetenzzentrum für den biologischen Gemüseanbau entstehen. Dieses soll den Produzenten in der Region Beratungs-, Ausbildungs- und Forschungsleistungen anbieten. 

Wachsender Markt

Ende Oktober 2020 informierte der Kanton Freiburg darüber, dass er sich am Projekt «Biogemüse Seeland» beteiligen möchte. «Der Gemüsemarkt in der Schweiz wächst stetig, jener des Bio-Gemüses sogar besonders schnell», teilte der Staatsrat mit. Das Seeland nehme beim Gemüse im Schweizer Markt einen Anteil von 22 Prozent ein. 

Der Freiburger Staatsrat legte dem Kantonsparlament einen Verpflichtungskredit in Höhe von rund 7,5 Millionen Franken zur Abstimmung vor. Das Parlament stimmte dem Antrag zu. Das Anliegen kam im Grossen Rat bei allen Fraktionen gut an. 

16,9 Millionen A-fonds-perdu-Beiträge

Das Projekt soll von Bund und Kanton im Rahmen eines Projekts zur regionalen Entwicklung (PRE) unterstützt werden. Für das PRE-Projekt sind öffentliche A-fonds-perdu-Beiträge im Umfang von 16,9 Mio. Franken vorgesehen. 9,4 Mio. Franken steuert der Bund über das Bundesamt für Landwirtschaft bei. 7,5 Mio. Franken soll der Kanton Freiburg besteuern. 

Ein Bestandteil des Projekts ist der Ausbau von Infrastrukturen. Die Gebäude der Produzentenorganisationen Terraviva AG in Kerzers FR und Seeland Bio in Büchslen FR haben laut Staatsrat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Das Projekt beinhaltet eine Finanzierung von Neubauten. Die Auswirkungen dieser Investitionen würden allen Produzenten einen Nutzen bringen, teilte der Staatsrat mit.

Marktanteil von über 90 Prozent

Dies stiess der Fenaco sauer auf. Diese unterstützt im Grundsatz zwar das Ziel des PRE-Projekts «Bio Gemüse Seeland». «Staatliche Subventionen für nachgelagerte Bereiche in einem derart massiven Umfang lehnen wir ab. Sie sind unnötig, belasten das Landwirtschaftsbudget des Bundes und verzerren den Wettbewerb», teilte der Agrarkonzern im Januar 2021 mit.

Die Fenaco befürchtete, dass die konzerneigene Obst- und Gemüsezentrale in Ins BE durch die staatlichen Gelder einen Wettbewerbsnachteil erleidet. Der Konzern legte deshalb Einsprache gegen die zwei Teilprojekte ein. Die beiden Unternehmen haben gemäss Fenaco einen Marktanteil von über 90 Prozent am Biomarkt Seeland. Gemäss dem Freiburger Staatsrat vermarkten die beiden Unternehmen 95 Prozent des im Seeland produzierten Bio-Gemüses. 

«Fenaco agiert gegen Bauern»

Die Biobauern im Freiburger Seebezirk zeigten sich über die Einsprache sehr enttäuscht. «Die Fenaco agiert gegen die Biobauern und Bio-Gemüseproduzenten und gefährdet deren wirtschaftliche Zukunft, indem sie gegen das, in der Region gut verankerte <Projekt PRE BioGemüse Seeland>, Einsprache erhebt», teilte der Trägerverein PRE BioGemüse Seeland postwendend mit.

«Schade, dass die Fenaco als Konzern der Bauern nicht zuerst mit dem Trägerverein PRE Biogemüse Seeland Kontakt aufgenommen hat», liess sich deren Präsident Fritz Burkhalter Mitte Januar 2021 zitieren. Ein 7 Milliarden Konzern falle den Bio-Bauern und Bio-Gemüseproduzenten, die sich für eine Zukunft gerichtete Entwicklung im Seeland engagieren und darin investieren, in den Rücken.

Dem Vorwurf der Fenaco, dass die nachgelagerten Betriebe und nicht die Bauern vom Projekt profitieren, wurde vom Trägerverein dementiert. «So profitieren eben genau die Produzenten von den gebündelten Vermarktungsleistungen und nicht nachgelagerte Dritt-Unternehmen», stellten die Bauern klar. Mit dem Einspruch wolle die Fenaco das Projekt ganz zu Fall bringen. 

Die Biobauern aus dem Freiburger Seeland wollen ihre Position am Markt stärken.
Hansjürg Hörler

Ein Drittel weniger öffentliche Mittel

So weit kommt es nun nicht, doch die Bauern mussten Federn lassen. Unter der Leitung der Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft (ILFD) des Kantons Freiburg fand eine Einigungsverhandlung zwischen Gemüseproduzenten, der Terraviva AG, der Betriebsgemeinschaft Seeland Bio und Murten Tourismus sowie der Fenaco statt. Das Resultat: Die öffentlichen Gelder für die beanstandeten Teilprojekte werden deutlich gekürzt.

«Die Projektträger verzichten auf ein Drittel der kantonalen und Bundessubventionen für den Bau der beiden Gebäude: Kanton und Bund werden somit zusammen insgesamt 8,55 Millionen Franken beitragen anstatt der für diesen Projektteil vorgesehenen 12,82 Millionen. Die für die übrigen Projektteile vorgesehenen Beiträge werden unverändert beibehalten», teilt der Kanton mit. Für die Realisation des Produktionsgebäudes der Terraviva AG stehen neu öffentliche Gelder im Umfang von 7,4 Mio. Fr. (zuvor 11,1 Mio. Fr.) zur Verfügung. Seeland Bio erhält für die Realisation des Neubaus 1,1 Mio. Fr. (1,7 Mio. Fr.).  Die Beiträge des Kantons Freiburg und des Bundesamts für Landwirtschaft werden proportional reduziert.
Kanton und Fenaco zufrieden

Fenaco: Wettbewerbsverzerrung reduziert

Der Kanton zeigt sich zufrieden. Er begrüsst diese Kompromisslösung und lobt die «konstruktive Haltung der an diesem Projekt beteiligten Parteien». Der Rückzug der Einsprache ermögliche es somit, dieses «wichtige, visionäre und innovative Projekt umzusetzen». Der Kanton Freiburg könne sich als Schweizer Leader im Lebensmittelbereich mit einem nachhaltigen Ansatz positionieren.

Auch die Fenaco ist mit dem Ausgang der Verhandlungen zufrieden. «Mit dieser Einigung reduziert sich der öffentliche Subventionsanteil und somit auch die Wettbewerbsverzerrung im nachgelagerten Bereich massgeblich. Damit ist das Hauptanliegen unserer Einsprache erfüllt. Wir befürworten das grundsätzliche Ziel des Projekts und freuen uns, dass es nun im Sinne der gesamten Branche umgesetzt wird», lässt sich Markus Hämmerli, Leiter des Departements Landesprodukte, in einer Mitteilung zitieren.

«Massive Reduktion»

Bei den Biobauern aus der Region ist die Freude über die Einigung eingetrübt. Zwar zeigen sie sich zufrieden, dass das Projekt umgesetzt werden kann. Die Kürzung der Unterstützung führt aus ihrer Sicht zu einer erheblichen Mehrbelastung. «Trotz dieser massiven Reduktion der finanziellen Unterstützung haben die betroffenen Bio-Gemüseproduzenten eine Lösung mit einer grösseren finanziellen Belastung gefunden, um die zwei Bauprojekte zu realisieren, ohne auf die Umsetzung der weiteren Teilprojekte zu verzichten. Dank dieser Bereitschaft zu einer höheren Eigenfinanzierung kann das PRE-Projekt ‹Bio Gemüse Seeland› nun als Ganzes umgesetzt werden», lässt sich Fritz Burkhalter, Präsident des Trägervereins, zitieren.

Mehr zum Thema
Regionen

Der Traktor kippte auf dem abfallenden Gelände. - Kapo TG Endlich scheint für einige Tage die Sonne. Viele Bauern nützen das Wetter, um zu Emden und zu Heuen. Doch es…

Regionen

Ein hoch auf den Thurgauer Wein. - zvg Im Rahmen der schweizweiten Aktion «Offene Weinkeller» öffnen am 31. Juli und 1. August 24 Winzerfamilien ihre Türen. Stolz darf man sein…

Regionen

Das Kind wurde ins Spital geflogen. - Rega Am Samstagnachmittag ist in Wald ZH ein Kind von einem Traktor überfahren worden. Dieses wurde mit Verletzungen ins Spital geflogen. Gemäss Polizeiangaben…

Regionen

17'000 Hühner haben im Hochwasser ihr Leben gelassen. - Kapo SH Starke Niederschläge führten am Freitag im Trasadingen SH zu Hochwasser und vielen Schäden. 17'000 Masthühner haben das Unwetter nicht…

4 Responses

  1. Das ist schlimm, wir Bauern lassen uns von der fenaco auspressen wie eine Zitrone. Und haben das Gefühl sie meint es gut mit uns.
    (Stockholm Syndrom)

  2. Schon krass was die Verantwortlichen tun um das Monopol abzusichern…. Dann muss die Genossen-Spitze wohl 2021 noch eine Wurst extra in den Korb legen, damit die Bauernschaft happy und zufrieden bleibt…

  3. Unglaublich aber wahr

    eine „ehemalige Selbsthilfeorganisation der Landwirtschaft“ bekämpft die eigenen Bauern und freut sich nun darüber, dass es ihr gelungen ist die staatlichen Subventionen für ein Landwirtschaftliches Projekt zu kürzen.

    Lieber billige China- oder andere Importware in ihren Landis verkaufen, das ist die strategische Ausrichtung dieser Organisation!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    1. Die Fenaco ist löngst ein Geldanlage-Institut geworden mit einem grünlichen Mäntelchen und einem Edelweisshemdchen (aus China, oder Burma, oder Vietnam oder wo halt sonst Menschen bis auf den Tod ausgenützt werden…)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE