Milch: Richtpreis steigt um 4 Rappen

Die Produktionskosten der Milchbäuerinnen und Milchbauern sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Die Branche reagiert. Der Richtpreis für Industriemilch im A-Segment wird am 1. Oktober erhöht. Auch der Bund soll helfen.

Reto Blunier |

Die Kosten für die Produzenten sind aber deutlich gestiegen. Aufgrund der Trockenheit mussten zahlreiche Betriebe bereits Teile der Winterreserven verfüttern oder Futter zukaufen. Viele Milchproduzenten und Milchproduzentinnen haben auch Kühe in den Schlachthof gebracht. Im Juni und Juli wurden laut der Branchenorganisation Proviande rund 7000 Kühe mehr geschlachtet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Anstieg von knapp einem Drittel.

Milchproduktion rückläufig

-> 7000 Kühe mehr geschlachtet

Zudem machte ein Virus den Kühen arg zu schaffen. Im Sommer wurden in der Schweiz tausende Kühe krank. Die häufigsten Symptome waren Durchfall und Fieber, was zu starken Leistungseinbussen führte. Die Milchproduktion sank bei zahlreichen Betrieben um bis zu 30 Prozent. Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) aus Deutschland haben den Erreger als nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe identifiziert, zu der auch das Schmallenberg-Virus gehört.

- >  Dieses Virus macht die Kühe krank

Doch auch auf der Ertragsseite mussten die Bauern Rückgänge hinnehmen. In den ersten drei Monaten lag die Milchproduktion zwar noch deutlich über dem Vorjahreswert. Im Januar lag die Einlieferung gemäss den Zahlen der TSM um 7,1 Prozent über dem Vorjahresmonat, im Februar bei 6 Prozent und im März bei 5,2 Prozent. Anschliessend reduzierte sich der Überschuss deutlich. Von April bis Juni wurden 2 Prozent mehr Milch als im jeweiligen Vorjahresmonat eingeliefert.

Organisationen machten Druck

Zudem haben im Vorfeld der Vorstandssitzung der Branchenorganisation Milch (BOM) mehrere Organisationen einen höheren Produzentenpreis gefordert. «Tausende Milchproduzentinnen und Milchproduzenten erhalten weiterhin einen gravierend tiefen Netto-Auszahlungspreis. Dieser ist angesichts der heutigen Produktionskosten und der steigenden Futterpreise nicht tragbar», sagten die Schweizer Milchproduzenten Ende Juli zum «Schweizer Bauer».

Auch die Vereinigten Milchbauern Ost (VMMO) und die Thurgauer Milchproduzenten (TMP) fordern «konkrete und rasch wirksame Massnahmen». Viele Milchwirtschaftsbetriebe stünden wirtschaftlich massiv unter Druck. «Die hohen Zusatzkosten müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitgetragen werden», halten die beiden Organisationen fest. Weitere Verzögerungen würden die Situation weiter verschärfen. Der Berner Bauernverband forderte eine Erhöhung des Produzentenpreises um mindestens 10 Rappen.

-> «Beim Milchpreis braucht es jetzt ein Signal»

-> «Bei Milch muss Produzentenpreis 10 Rappen rauf»

«Positives Zeichen äusserst wichtig»

Die höheren Kosten und die sinkenden Einlieferungen haben auch an der Vorstandssitzung der BOM von Donnerstag zu langen und intensiven Diskussionen geführt. Die Produzentenvertreter haben die Verarbeiter und den Handel über die sehr schwierige Lage informiert. Gemäss den Berechnungen der Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind die Produktionskosten pro Kilo Milch im Durchschnitt um 12 Rappen gestiegen. Die auf Raufutter basierende Milchproduktion sei von der Trockenheit besonders betroffen, so die BOM weiter.

Verarbeiter und Handel gelten einen Teil der Mehrkosten mit der Richtpreiserhöhung über den Markt ab, wie die BOM in einer Mitteilung am Freitag schreibt. «Der A-Richtpreis wird am 1. Oktober um 4 Rappen auf 82 Rappen erhöht. Obwohl die massgebende Richtpreisbasis keine Erhöhung angezeigt hätte, ist ein positives Zeichen der Branche äusserst wichtig», heisst es in der Mitteilung. Die BOM erwartet in den kommenden Wochen einen starken Rückgang der Milchproduktion.

Bund soll Verkehrsmilchzulage erhöhen

Mit der Erhöhung ist aber erst ein Teil der Mehrkosten der Produzenten abgedeckt. «Um die finanziellen Auswirkungen zu dämpfen, erwartet die BOM auch ein Zeichen aus der Politik», schreibt die Branchenorganisation. Konkret soll der Bund für die kommende Periode der Winterfütterung die Zulage für Verkehrsmilch, befristet für ein halbes Jahr, um 4 Rappen pro Kilo Milch erhöhen. Diese erhöhte Zulage soll über einen vom Parlament beschlossenen Nachtragskredit für 2026 finanziert werden, fordert die Branchenorganisation.

Klimarappen ab 1. Januar 2027

Der BOM-Vorstand hat an seiner Sitzung zudem entschieden, ab dem 1. Januar 2027 einen sogenannten Klimarappen einzuführen. «Damit übernimmt die Branche vorausschauend Verantwortung für die Finanzierung der Klimaleistungen in der Milchproduktion», schreibt die Branchenorganisation. Dafür wird ein Zuschlag von 1 Rappen auf den A-Richtpreis verrechnet. Dieser Klimarappen wird zugunsten eines Fonds eingezogen. Aus dem Fonds werden dann Milchviehbetriebe für ihre Aufwände und Leistungen zum Klimaschutz entschädigt.

Die Erhöhung des Richtpreises ist gemäss BOM auch mit Risiken behaftet. Die Milchpreise im Ausland seien nach wie vor sehr tief. «Und die Butter-, Käse- und Milchpulverlager sind voll», hält die BOM fest. Um die grösser gewordene Preisdifferenz abzufedern, werden die Preisausgleichsbeiträge aus dem Fonds Rohstoffverbilligung am 1. Oktober ebenfalls erhöht.

Am 1. Februar erfolgte Senkung um 4 Rappen

Der Richtpreis für Industriemilch im A-Segment wurde per 1. Februar um 4 Rappen auf 78 Rappen pro Kilo gesenkt. Der BOM-Vorstand fixierte den Richtpreis für elf Monate bis Ende Dezember 2026 auf diesem Niveau. Schwankungen vor allem gegen unten, aber auch gegen oben, werden so abgeblockt.

Beim Entscheid habe die prospektive Markteinschätzung für 2026 eine grosse Rolle gespielt, teilte die BOM im Dezember 2025 mit. «Auf den internationalen Märkten sinken die Preise derzeit sehr stark. Butter und Magermilchpulver verloren in den letzten Monaten viel Wert, in den kommenden Wochen werden in den umliegenden Ländern die Produzentenpreise deutlich zurückgehen», schrieb die BOM damals.

->  Milch: Richtpreis sinkt um 4 Rappen

Kommentare (12)

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  • Arnold | 30.08.2026
    Das ist sand in den augen geworfen !!!
  • Ik | 29.08.2026
    Antwort, Mein Ziel war immer uber die 17 Franken IOFC zu kommen. Um das zu erreichen musste ich den Grundfutteranteil stark reduzieren, denn Grundfutter is sehr teuer
    . Ziele uber 40 lt Milch. In Zukunft werden wir auch komponieren von Lebensmitteln aus der Industrie verfuttern missen. Anstatt in die Biogasanlage denn ein Pansen ist ein Fermentierter. Das ist meine Meinung! Bitte einmal in die Ferne blicken.
  • Peter | 29.08.2026
    Den Richtpreis könnt ihr auf den Mond schiessen! Der Richtpreis ist nur dazu da um in den Medien gut dazustehen. Sieht natürlich super aus wenn in der Zeitung steht 84 Rappen. Der Grossteil der Bevölkerung hat dann natürlich das Gefühl das sei der ausbezahlte Preis, dass aber 2/3 der Milch Betriebe 30 Rappen weniger erhalten steht natürlich nirgends geschrieben. Hört doch endlich auf die Leute für dumm zu verkaufen. aAso wirklich es reicht langsam!
  • Jeannine Hermann | 29.08.2026
    Die Leute lassen sich weiterhin veralbern indem man ihnen den "A-Richtpreis" vor die Nase setzt! Wie wäre es mal von dem Realpreis für die Bauern zu schreiben? Der A-Richtpreis liegt immer mit 20-21 Rappen über dem was der Bauer tatsächlich für die A-Milch erhält - und davon sind gerade mal 50-60% eben diese! Der Rest wird als B-Milch und seit Jahresbeginn sogar mit bis zu 17% als C-Milch mit nur noch 18 Rappen ausbezahlt!!! Und die Direktzahlungen sind da für produzierende Betriebe ein Tropfen auf dem heißen Stein - umgerechnet auf den Liter Milch oder das Kilo Fleisch ein Witz!!! Das Bauernsterben ist so vorprogrammiert! Der Selbstversorgungsgrad sinkt, statt zu wachsen...... da fehlt einem jegliches Verständnis!!!
  • Kuster Melchior | 29.08.2026
    Fast lächerlich was die Boom gestern beschloss 4 Rp. Aufschlag auf 82 Rp. ab Okt. die Erhöhung spürt der Milchbauer erst bei der Abrechnung Ende Nov. mein Milchpreis vom Juli war mit Zulage Verkehrsmilch ausbezahlt 62.03 Rp. Verantwortung übernehmen vom Boom Vorstand ist dass nicht, Eure Löhne kommen nicht vom melken sondern von verschiedenen Mandaten wo ich der Boom jährlich über 20`000 Fr. beisteuerte und bringt es nicht fertig das Milchgeschäft zu Gunsten der milchproduzenten in eine bessere Lage zu bringen.
  • Ketzer | 29.08.2026
    Mit 10rp mehr, könnte ich auf die Direkt Zahlungen verzichten.
    Dann kann mich aber der Staat nicht mehr nötigen und das will er nicht.
  • Holsteinkuh | 29.08.2026
    Dank an Alle die Druck gemach haben 4 Rappen sind 4 Rappen .
  • Ädu | 29.08.2026
    Guten Tag IK,
    du bist ein ganz schlauer Bauer.......
  • Daniela Nef | 29.08.2026
    Das bisschen reicht ja nirhends hin! Es wird schon über Jahre immer nehr abgezogen vom Milchpreis,das ist doch einfach wahnsinnig. Es war so heisdes Wetter,da wurde doch Glace gegessen und Joghurt. Die können uns doch ei fach angeben,was sie wollen,aber so langsam werden wir misstrauisch. Ein Spiel wird betrieben mit den Bauern. Aber ihr Milchköufer,urgendwann wird es uns zu bunt,wartet nur,dann chlepfts aber,da könnt ihr sicher sein. Und in dem Bundeshäuschen sowieso. Gut haben wir noch Nationaleäte wie Egger,Wandfluh und co. Wir hoffen,dass die noch etwas herebringed.
  • Ik | 28.08.2026

    Wenn wir 10 Rappen Milchpreis fordern , wird das der Markt verkraften, Nein! Sind 12 Rappen mehr kosten pro lt Milch realistisch, Nein! Wenn jeder Landwirt den IOFC Wert ( in over Feed Cost) einmal berechnen will oder kann, dann bemerkt er wo sein Betrieb wirklich steht! Und um eine kostengünstige Ration zu haben, gibts noch i immer genug Alternative Futtermittel zu kaufen ! Also, es were besser fur uns , wissen zu holen, um daraus besser zu werden!

    • Sabrina Schlegel | 29.08.2026
      lk - sie sind realistisch. Meine Kosten pro kg Milch in einem High Input System betragen 27 Rappen. Sie lagen auch schon tiefer und sind stark von den Zöllen auf verschiedene Kraftfuttermittel abhängig. Die Kosten fürs Grundfutter betragen rund 14 Rappen (ohne Diesel), die Abschreibungen haben wir sowieso, auch wenn wir weniger ernten. Das zugekaufte Grundfutter ist allerdings meist teurer als das selbst produzierte - unter 140 Franken für eine Import-Maisballe werden Sie im Moment kaum kommen. Die 12 Rappen sind auf ein halbes Jahr gerechnet - denn ein ganzes Jahr 6 Rappen zu verlangen, um diese Kosten auszugleichen, ist kaum realistischer. Falls Sie Interesse haben an der Detailberechnung, können Sie sich gerne melden und ich bin gespannt, welchen Fehler Sie feststellen. Bei 40% Einbusse wären das, wenn das Futter selbst geerntet werden kann, knapp 5 Rappen. Korrigert um die höheren Preise ist der Betrag höher. Nicht eingerechent Zusatzkosten für Saatgut.
    • Peter | 29.08.2026
      Ich hoffe jetzt mal dass du kein Landwirt bist, ja wirklich,!!!!!
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