
Robuste Kartoffeln werden im Detailhandel auf ihre Eignung getestet.
zvg
Robuste Kartoffelsorten können den Kartoffelanbau nachhaltiger machen, denn sie sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Hitze und Trockenheit und benötigen weniger Pflanzenschutzmittel. Aber schmecken sie auch?
Dies hat ein Forschungsteam der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) im Auftrag von Swisspatat und mit Unterstützung von Denner und IP-Suisse untersucht. Anfang 2027 sollen weitere Praxistests folgen.
Ansprechende Resultate
Die Auswertung der Studie zeigt: Robuste Kartoffelsorten haben Potenzial im Markt. Folgende Sorten wurden untersucht: Azilis, Vitabella, Simonetta mit Erika als Referenz (festkochend), Twister, Otolia, Sound mit Victoria als Referenz (mehligkochend). «Insbesondere zwei der mehligkochenden Sorten wurden von den Teilnehmenden positiv bewertet», führt Gabriel Thiele vom Forschungsteam der Sensorik-Abteilung der Hafl aus, wo drei robuste Sorten mit jeweils einer etablierten Referenzsorte verglichen wurden.
Langfristige Testreihen
Swisspatat, Agroscope und die HAFL testen bereits seit 2020 systematisch Sorten auf ihre Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten sowie auf ihre Toleranz gegen Hitze und Trockenheit. Erste Erfolge gab es bereits Ende 2023, als vermehrt krautfäuleresistente Sorten offiziell in die Schweizer Sortenliste aufgenommen wurden. ome -> Robuste Kartoffelsorten neu auf Sortenliste
Informationen zu den Umweltvorteilen und zur Widerstandsfähigkeit der Sorten erhöhten die Kaufbereitschaft zusätzlich. «Die Resultate sind sehr erfreulich. Sie zeigen, dass es robuste Kartoffelsorten gibt, die eine reale Chance auf dem Markt haben. Damit könnte der Ackerbau in der Schweiz auch bei Klimaveränderungen nachhaltig Kartoffeln produzieren», sagt Stefan Vogel, Kartoffel-Experte und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hafl.
-> Sortenvielfalt sichert die Ernte ab

Laut Christian Bucher, dem Geschäftsführer der Branchenorganisation Swisspatat, bieten robuste Kartoffelsorten die Möglichkeit, sich an den Klimawandel anzupassen.
zvg
«Hitzesommer verdeutlicht Bedeutung robuster Sorten»
Christian Bucher, Geschäftsführer von Swisspatat, sieht positiv in die Zukunft: «Der Hitzesommer 2026 war für die Kartoffelproduktion sehr herausfordernd und verdeutlichte die Wichtigkeit von robusten Sorten. Die Resultate des Projekts sind deshalb gute Neuigkeiten für die Branche.»
-> Neue robuste Kartoffelsorten
Für die Studie degustierten über 80 Testpersonen drei festkochende und drei mehligkochende Sorten im Vergleich mit einer Referenzsorte. Während zwei der mehligkochenden Sorten ein grosses Vermarktungspotenzial aufweisen, zeigten sich bei den festkochenden noch Herausforderungen bezüglich Geschmack und Textur. «Hier müssen weitere Tests mit neuen Sorten folgen», so Kartoffel-Experte Stefan Vogel.
Denner führt Praxistests durch
Nun wird getestet, ob diese Kartoffeln auch im Handel ankommen: In ausgewählten Denner-Filialen erhalten Kundinnen und Kunden Anfang 2027 kostenlose Produktproben der Kartoffelsorten. Dabei wird ihre Einschätzung zu Qualität, Geschmack und Kaufbereitschaft erhoben.
«Wenn sie die Kundenbedürfnisse in Bezug auf Geschmack und Qualität erfüllen sowie preislich attraktiv sind, bieten sie ein vielversprechendes Potenzial für die Weiterentwicklung unseres Sortiments. Und wir können einen Beitrag zur zukünftigen Landwirtschaft leisten», sagt René Trapp, Leiter Einkauf bei Denner.
-> Denner testet neue Kartoffelsorten
Gemeinschaftliches Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt der Hafl wird von Swisspatat, der Branchenorganisation der Schweizer Kartoffeln, und dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) getragen. «Seit 2024 wurde es ausgeweitet, um möglichst die Anbaufläche von robusten Sorten in der Praxis zu erhöhen und auch die Akzeptanz bei Konsumenten zu prüfen. Wir stehen in engem Austausch mit den Abnehmern Inoverde, Terralog sowie Schwab-Guillod», erklärt Stefan Vogel von der Hafl.
Herausforderung «Absenkpfad»
Der Absenkpfad Pflanzenschutzmittel ist für die Kartoffelbranche eine Herausforderung. Um das Ziel erreichen zu können, will sie künftig vermehrt auf robuste Sorten setzen. Mit dem Bund wurde eine Zielvereinbarung geschlossen. Bis 2040 sollen diesen Sorten massiv ausgebaut werden. ome -> «Bis 2040 80 Prozent robuste Sorten»
«Diese waren auch in die Sortenwahl für das Degustationspanel eingebunden und unterstützen die Anbauplanung», so Vogel. Die Schweizer Kartoffelbranche hat sich 2024 über eine Zielvereinbarung mit dem BLW zum Ziel gesetzt, bis ins Jahr 2040 auf 80 Prozent der Anbaufläche robuste Sorten anzubauen.
Lesen Sie zum Thema «Kartoffeln» auch folgende Artikel:
-> Tiefste Kartoffelernte seit Messbeginn
-> Kartoffelbranche reagiert: Preisaufschlag und gelockerte Kaliber