85 Rappen. So viel erhält Stefan Krähenbühl von seinem Zwischenhändler für 1 Kilo Bio-Jelly-Kartoffeln. Der durchschnittliche Verkaufspreis bei Coop und Migros liegt bei 3,10 Franken. Ohne Produkt gibts nichts zu verkaufen.
Leser für fairere Preise
Trotzdem erhält Krähenbühl nur rund 27% des Verkaufspreises. 72% des Verkaufspreises teilen sich also Zwischenhändler und Grossverteiler. Der Zeitung «20 Minuten» hat er weiter aufgedeckt, dass sein Anteil am End-Verkaufspreis bei den Bio-Randen (18%), bzw. beim Bio-Federkohl (13%) noch kleiner ist.
Für Krähenbühl stimmt das nicht. Er fordert deshalb fairere Preise für Bauern. Der Bio-Kartoffelbauer kann mit dieser Forderung ganz auf die Unterstützung der Leserschaft von «20 Minuten» zählen. Denn bei einer entsprechenden Online-Umfrage, bei der 16'502 Stimmen eingingen (Stand 19.04, 07:00 Uhr), hat sich eine überwältigende Mehrheit (87%) dafür ausgesprochen, dass Schweizer Bäuerinnen und Bauern mehr vom Verkaufspreis erhalten sollten.
«Wir sollten mehr bekommen»
«Wir produzieren gesunde und hochwertige Lebensmittel. Dabei schonen und erhalten wir unsere natürlichen Grundlagen», heisst es auf der Seite des Biohofs am Murtensee, der von Stefan Krähenbühl betrieben wird.
Nimmt man einzig den Verkaufspreis seiner Produkte als Kriterium, um diese ökologischen und gesundheitlichen Bemühungen zu bewerten, könnte dies bedeuten, dass seine Bemühungen keinen Wert haben, oder doch zumindest nicht jenen Wert, den Krähenbühl für seine Produkte beansprucht. «Die Bauern sollten einen höheren Teil vom Verkaufspreis im Handel erhalten», sagt Krähenbühl der Zeitung.
Durchschnittlicher Verkaufspreis von einem Kilo Bioprodukt für Krähenbühl (K) und Migros/Coop (M/C):
Bio-Kartoffeln (Jelly):
K: 0,85 Franken (27% des Verkaufspreises) – M/C: 3,10 Franken
Bio-Randen:
K: 0,95 Franken (18% des Verkaufspreises) – M/C: 5,40 Franken
Bio-Federkohl
K: 3 Franken (13% des Verkaufspreises) – M/C: 24 Franken
Quelle: «20 Minuten»

Für Bio-Federkohl (Symbolbild) erhält Martin Krähenbühl sogar nur 13 Prozent des Verkaufspreises.
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Kritik an Grossverteiler
Endabnehmer seiner Produkte sind Coop und Migros. Biokartoffeln würden bei diesen beiden Grossverteilern durchschnittlich für 3,10 Franken pro Kilo verkauft. Krähenbühl erhält von seinem Zwischenhändler für seine Biokartoffeln jedoch nur 85 Rappen.
Dies decke knapp die Produktionskosten, die zwischen 80 und 90 Rappen pro Kilo liegen würden, heisst es im Bericht weiter. Der Richtpreis des Branchenverbands Swiss Patat liege bei 1,02 Franken. Die Differenz, also der Betrag von 17 Rappen, der ihm abgezogen wird, begründet Krähenbühl mit Mängeln, Gewichts- und Lagerverlusten.
Seine Kritik richtet sich jedoch nicht an seinen Zwischenhändler, der den Preisdruck der Supermärkte auch spüren würde. Dann bleiben in dieser Lieferkette nur noch die Grossverteiler, denen seine Forderung nach faireren Preisen gelten kann.
Wenn Bauern ohne Nebenjob nicht überleben können
Mitte März gab Biobauer Philipp Schönenberger vom Karlshof in Rossrüti SG Einblick über seine Situation. Er legte seine Finanzen offen und zeigte, dass er ohne Nebenjob nicht über die Runden kommen würde. Er arbeitet zu 50 Prozent in einem Büro. Auch das externe Einkommen seiner Frau fliesst in den Betrieb.
Anders als dies andere Unternehmen tun, kann er Mindereinnahmen jedoch nicht einfach durch höhere Verkaufspreise seiner Produkte an die Lieferkette abwälzen. Und bei teureren Produkten – wie das bei Bioprodukten der Fall ist, würde der Mehrerlös nicht bis zu ihm gelangen.
«Staat soll #Marktversagen angehen»
— Schweizer Bauer (@SchweizerBauer) February 10, 2024
Die Organisation Faire Märkte Schweiz (FMS) bezeichnet die Erlös- und Einkommensprobleme in der #Landwirtschaft als zum grössten Teil marktgemacht. Die Ungleichgewichte entlang der #Wertschöpfungskette sei angewachsen.https://t.co/WR1ohpY3zJ
Migros und Coop weisen Kritik zurück
Migros weise jedoch die Vorwürfe entschieden zurück, einen Preisdruck auf die Bauern auszuüben. «Die Preise unseres Gemüses kommen durch Verhandlungen in gegenseitigem Einvernehmen zustande beziehungsweise sie orientieren sich an Richtwerten, die von den Branchenorganisationen festgelegt werden», sagt Migros-Mediensprecherin Carmen Hefti zu «20 Minuten».
Auch Coop betone, dass sie faire und marktgerechte Preise garantieren würde. Sie verweist dabei auf die Kosten, die zwischen Beschaffung und Verkauf anfallen würden. Produzenten würden insgesamt überdurchschnittlich entschädigt, antwortet Coop auf den Vorwurf.
Lesen Sie dazu auch die Artikel:
-> «Preise der Grossverteiler sind nicht nachhaltig»
-> «Jetzt kontrolliert Preisüberwacher die Bio-Margen von Coop und Migros»
-> «Staat soll Marktversagen angehen»

Die Abnehmer Migros und Coop zählen zu den Schmarotzern und das wird auch künftig so bleiben, wenn sich die Landwirtschaft, d.h. die Produzenten nicht zur Wehr setzen.
Von Regionalwert gibt es einen Leistungsrechner, der den Mehrwert sichtbar machen, den die Bauern erarbeiten, und damit auch einen anständigen Preis für die Produkte - mehr Infos hier:
https://www.youtube.com/watch?v=aB7xRLp2E8s
Statt auf dem Fachhandel herumzuhacken kann sie JEDE"R ander verhalten beim Einkaufen und zu den Hofläden und in Solawis gehen. Wir Konsumenten sind der dritte Riese im Lande.
UND: Was machen Aldi, Lidl, Denner, ...? Immer wird beim Preisgestänker Coop und Migros erwähnt. Ist Euch das auch aufgefallen?
Wir bleiben dran -