
Ist Milch bald wieder ein gesuchtes Gut oder gibt es wieder Überhänge?
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Im vergangenen Winter sorgten deutliche Mehreinlieferungen im Vergleich zum Vorjahr für Unruhe am Milchmarkt. Die Produzentenpreise schossen in die Tiefe. Mit mehreren Millionen aus dem Fonds Regulierung der Branchenorganisation Milch (BOM) wurden grosse Mengen Butter und Rahm ins Ausland verkauft. Von Herbst 2025 bis Ende September 2026 werden 2000 Tonnen Rahm und 4855 Tonnen Butter ausgeführt. Dazu werden insgesamt 24 Millionen Franken an Stützungsgeldern eingesetzt.
Gemäss BOM wurden auch in den ersten vier Monaten 2026 insgesamt 5 Prozent mehr Milch produziert. In der Folge gab es mehrere Aufrufe, die Milchproduktion zu drosseln. Durch die seit Monaten anhaltende Trockenheit sowie Krankheiten geben die Kühe nun aber deutlich weniger Milch.
Neue BOM-Kommission
Trotzdem rechnet die BOM ohne Drosselung der Produktion ab dem Herbst wieder mit einem deutlichen Marktungleichgewicht. «Daher sind Massnahmen unabdingbar», warnt sie. Eine dieser Massnahmen ist die neue Kommission «Marktanalyse Milchbranche und Massnahmen», die am 2. Juli ihre Tätigkeit aufnahm. Sie soll zuerst eine kurz- und langfristige Beurteilung der Marktsituation vornehmen. Anhand der Daten wird die Kommission anschliessend über Massnahmen sprechen.
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Die bäuerliche Interessengemeinschaft für fairen Milchmarkt BIG-M hat sich ebenfalls mit der Marktsituation befasst. Und sie gibt der neuen Kommission wenig Kredit. So schreibt BIG-M im jüngsten Newsletter: «Dass Vorschläge zu einer ausgeglichenen Marktsituation kommen, ist nicht zu erwarten, denn bei Überschüssen bluten ja einseitig nur die Bauern.»
Vier Vorschläge
Die BIG-M präsentiert nun eigene Massnahmen, wie die Lage am Milchmarkt verbessert werden kann. Die lauten wie folgt:
- Keine Aktionen auf Importprodukten: Zur Entlastung des Schweizer Milchmarktes sollen sämtliche Aktionen auf importierten Milchprodukten umgehend gestoppt werden. «Dies verringert die Preisdifferenz zwischen inländischen und ausländischen Produkten», schreibt BIG-M.
- Marktabzug auf Importen: Detailhändler sollen einen Abzug auf ihrer Marge beim Verkauf von Importprodukten machen und diesen Betrag in einen Fonds einzahlen. «Dadurch würden sich die Importprodukte verteuern und zugleich käme Geld zusammen, um den Markt zu entlasten», hält BIG-M fest.
- Wahlfreiheit für den Konsumenten: Jeder Konsument sollte die Chance erhalten, beim Kauf eines Milchproduktes einen kostendeckenden Preis für den Landwirten bezahlen zu können. BIG-M schwebt ein Fair-Trade-Label wie bei exotischen Früchten vor. Am Schluss entscheide der Konsument, was er kaufen wolle.
- Fondsbeiträge nur noch bei Bekenntnis zu Schweizer Milch: Wer Beiträge aus dem Fonds Rohstoffverbilligung bezieht, verpflichtet sich als Verarbeiter, in den darauffolgenden 24 Monaten keinen Veredelungsverkehr zu tätigen. «Ansonsten sind sämtliche Beiträge, die in den 24 Monaten davor bezogen wurden, zurückzuerstatten», schreibt BIG-M.
Die bäuerliche Organisation gibt ihren Vorschlägen aber wenig Kredit. «Die Verarbeiter und Detailhändler werden sich gegen alle Massnahmen mit Händen und Füssen wehren, bei welchen sie einen Beitrag zur Beendigung der Milchkrise leisten müssen.» In einer Überschusskrise seien alle Vorteile auf ihrer Seite, hält BIG-M fest.
Wie denkt ihr über die Vorschläge? Schreibt es in die Kommentare.
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