
Die Massnahme soll die Einschleppung der hoch ansteckenden Tierseuche in die Schweiz verhindern und den Rinderbestand in der Schweiz schützen.
zvg
Das Sömmerungsverbot hat Schweizer Bauer bereits vermeldet. Nun hat Bundesbern das Verbot offiziell gemacht.
-> LSD: Schweiz verbietet Sömmerung in Frankreich
260 Betriebe
Die Massnahme soll die Einschleppung der hochansteckenden Tierseuche in die Schweiz verhindern, teilt das Bundesamt am Dienstag mit. Bei einem Ausbruch wäre die Gesundheit des gesamten Schweizer Rindviehbestands von rund 1,5 Millionen Tieren gefährdet, warnt der BLV. Das Risiko einer Einschleppung wird als erheblich taxiert. Deshalb wurde die Sömmerung untersagt.
Lumpy-Skin-Disease (LSD)
Die Krankheit befällt Rinder, Büffel und Bisons und verursacht wirtschaftliche Verluste, die hauptsächlich durch Milchleistungsrückgang und Schäden an der Haut bedingt sind. Bei von Lumpy Skin Disease befallenen Rindern bilden sich in der Haut Knoten von 0,5 bis 5 cm Durchmesser.
Die betroffenen Hautstellen sterben nach fünf bis sieben Wochen ab. Die Tiere zeigen ausserdem Symptome wie Fieber, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Nasen- und Augenausfluss sowie vergrösserte Lymphknoten. Die Krankheit ist jedoch nur in sehr seltenen Fällen tödlich.
Die Lumpy-Skin-Krankheit ist eine hochansteckende und somit meldepflichtige Tierseuche. Wer Tiere hält oder betreut, muss Verdachtsfälle dem Bestandestierarzt oder der Bestandestierärztin melden. Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich.
Betroffen sind rund 260 Betriebe, hauptsächlich in der Westschweiz. Derzeit werden auf Schweizer Boden Sömmerungslösungen gesucht. «Die Landwirtschaftsorganisationen werden die Tierhaltenden dabei begleiten und unterstützen», heisst es in der Mitteilung weiter. Rund 6000 Rinder sind von der Massnahme betroffen. Für die betroffenen Betriebe hat das Sömmerungsverbot in Frankreich erhebliche Konsequenzen. Erforderlich sind organisatorische und wirtschaftliche Anpassungen.
Keine finanzielle Hilfe durch den Bund
«Aus diesem Grund wurde der Entscheid frühzeitig und mit Unterstützung der kantonalen Behörden sowie im engen Austausch mit den Landwirtschaftsorganisationen gefällt, damit die betroffenen Betriebe die Sömmerungssaison 2026 unter den bestmöglichen Bedingungen planen können», schreibt das BLV. Die Branchenverbände wollen den Betroffenen bei der Suche nach Sömmerungsplätzen helfen.

Die Lumpy-Skin-Krankheit (Lumpy Skin Disease, LSD) ist eine Viruskrankheit des Rindes, die durch Insekten übertragen wird. Sie verursacht typische Hautveränderungen, Fieber und eine rückläufige Milchproduktion.
FLI
Auf finanzielle Unterstützung durch den Bund können die Betriebe aber nicht rechnen. Das BLV und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) haben geprüft, ob für die betroffenen Tierhaltenden eine Entschädigung möglich ist. «Eine solche Regelung setzt jedoch eine entsprechende rechtliche Grundlage voraus, die in diesem Fall nicht besteht», stellt das BLV klar.
Tiere kontrollieren
Als zusätzliche Schutzmassnahme werden in den derzeitigen Impfzonen, also im Kanton Genf sowie in Teilen der Kantone Waadt und Wallis, alle Rinder, Büffel und Bisons bis Ende Frühling 2026 eine Auffrischungsimpfung erhalten. Der Bund übernimmt die Kosten für den Impfstoff, die Kantone jene für die Durchführung der Impfung. «Für die Tierhaltenden entstehen keine Kosten», hält das Bundesamt fest.
So erfolgt die Ansteckung
Die wichtigste Rolle für die Verbreitung spielt die indirekte Erregerverbreitung durch stechende Insekten (beispielsweise Bremsen, Fliegen, Gnitzen, Stechmücken), Milben und Zecken.
Die Übertragung ist auch durch direkten Tierkontakt, infiziertes Sperma, unbehandelte Tierhäute und Felle und deren Produkte (zum Beispiel Jagdtrophäen), Rohfleischprodukte, Rohmilchprodukte und durch daraus gewonnenes Tierfutter inklusive Kolostrum möglich. ats
Das BLV erinnert die Tierhalterinnen und Tierhalter daran, einen Verdachtsfall sofort der Tierärztin oder dem Tierarzt zu melden. Zudem sei es wichtig, die Tiere täglich zu beobachten. «Die Zeit zwischen Ansteckung und ersten sichtbaren Anzeichen kann unterschiedlich lang sein. Symptome können sich aber schnell entwickeln», heisst es weiter.
Wie sich die Seuche ausbreitete
Am 21. Juni 2025 wurde auf der Insel Sardinen (I) in einem Rinderbetrieb Lumpy Skin Disease (131 Rinder, 7 Tiere erkrankt) festgestellt. Zwei weitere Fälle wurden am 25. und 26. Juni gemeldet. Es wird davon ausgegangen, dass infizierte Vektoren aus Nord-Afrika, wo die Seuche präsent ist, über Windvertragung nach Sardinien gelangt sind.
Am 25. Juni wurden zudem in Italien weitere Ausbrüche gemeldet. Betroffen war ein Rinderbetrieb mit 291 Rindern, der aus dem ersten Seuchenbetrieb in Sardinien Tiere in den eigenen Betrieb verbracht hat. Ein Tier war erkrankt und verendete. Der zweite Ausbruchsort liegt im Norden Italiens in Mantua südlich von Verona. Der Ort ist nur 160 km von der schweizerischen Grenze entfernt. Am 29. Juni 2025 wurde schliesslich im Departement Savoyen, das nur 40 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt ist , erstmals ein Fall von Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) in einem Rindviehbetrieb bestätigt.
Die Behörden richteten um den betroffenen Betrieb eine Schutzzone mit einem Radius von 20 km sowie eine Überwachungszone mit einem Radius von 50 km ein, die auch den Kanton Genf und angrenzende Gebiete des Kantons Waadt einschliesst. In der Folge breitete sich die Krankheit in Frankreich weiter aus. Über 1000 Tiere wurden bisher gekeult. Aufgrund eines neuen Ausbruchs in Beaufort bei Albertville (F) wurde die Überwachungszone in der Schweiz um Teile des Kantons Wallis mit den Regionen Champéry, Finhaut und Ferret erweitert. In den Schweizer Schutzzonen haben die Behörden eine Impflicht verordnet .
Anfang September wurde in Frankreich im Département Ain ein weiterer Ausbruch auf einem Betrieb nachgewiesen. Weil der Hof weniger als 50 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt liegt, wurde die Überwachungszone auf den Bezirk Nyon ausgeweitet. In elf Gemeinden im Bezirk Nyon VD wurden alle Rinder, Büffel und Bisons gegen die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) geimpft werden, um die Bestände zu schützen und eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Insgesamt wurden 1700 Tiere immunisiert. Mitte Oktober wurde im an die Schweiz angrenzenden französischen Departement Ain ein dritter LSD-Fall bestätigt. Betroffen war ein Bestand mit 180 Kälbern. Im französischen Jura wurden am 13. und 14. Oktober zudem zwei weitere Ausbrüche in der Gemeinde Écleux festgestellt, wo bereits am 11. Oktober ein erster Fall bestätigt worden war. Seither breitet sich die Seuche in Richtung Südwesten Frankreichs aus. Auf zahlreichen Betrieben wurden Rinder gekeult. Landwirtinnen und Landwirte trugen ihren Unmut bei Protesten an die Bevölkerung.
Wichtig: In der Schweiz wurde bisher kein Fall von LSD nachgewiesen.
In der Schweiz ist zurzeit keine Impfung gegen die Lumpy-Skin-Krankheit zugelassen. Um eine umgehende Impfung sicherzustellen, hat der Bund vom 11. Juli 2025 bis zum 15. Dezember 2025, in Absprache mit der Arzneimittel-Zulassungsbehörde Swissmedic, eine Allgemeinverfügung erlassen. Auf deren Basis durften Impfstoffe gegen LSD, die sich bereits bei früheren Ausbrüchen in Europa bewährt haben, importiert und angewendet werden. blu