Mittwoch, 29. Juni 2022
10.06.2022 14:20
Getreidemarkt

Brotgetreide: Importkontingent erneut erhöht

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Von: blu

Um die inländische Nachfrage nach Weizen, Roggen oder Dinkel decken zu können, hat der Bundesrat das Zollkontingent Brotgetreide um weitere 20’000 Tonnen erhöht. Das dürfte die Position der Produzenten bei den Richtpreisverhandlungen von Ende Juni stärken.

Die Getreideernte 2021 fiel in der Schweiz wegen der miesen Witterung deutlich unterdurchschnittlich aus.

130’000 Tonnen weniger als 2020

Der Bedarf an Brotgetreide in der Schweiz beträgt rund 480’000 Tonnen im Jahr. Die letztjährige Ernte an backfähigem Getreide war rund 25 Prozent tiefer als in durchschnittlichen Jahren. Insgesamt resultierte aus der Ernte 2021 eine Brotgetreidemenge von 304’079 t, das sind über 130’000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Ähnlich unterdurchschnittlich war die Erntemenge im Jahr 2016, damals wurden 313’000 Tonnen eingebracht.

Beim Brotweizen gab es ein Minus im Vergleich zum Vorjahr von 30,5 Prozent. Auch der Dinkel (- 24.5% auf 16’900 Tonnen) und insbesondere der Roggen (- 55.3% auf 4’000 Tonnen) wiesen 2021 deutlich tiefere Erntemengen aus als im Jahr 2020. Die Durchschnittserträge waren bei allen Kulturen tief. Dies führte die Branchenorganisation des Getreides, Swiss Granum, auf die aussergewöhnliche Witterung im Frühling und Sommer sowie den Hagelschlag zurück.

Swiss Granum

Erste Erhöhung: 40’000 Tonnen

In der Schweiz drohte eine Mangel an Getreide. «Trotz der Reserven aus vorangegangenen Ernten und den Importen innerhalb des ordentlichen Zollkontingents von 70’000 Tonnen decken die verfügbaren Mengen den Bedarf bis zur diesjährigen Ernte nicht», teilte der Bundesrat bereits Ende März 2022 mit. Im Mittel der Jahre deckt die inländische Produktion den Bedarf zu über 80 Prozent.

Um eine kontinuierliche Versorgung sicherzustellen, hatte Swiss Granum beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Mitte März beantragt, das Importkontingent für dieses Jahr um 40’000 Tonnen zu erhöhen. Diesem Antrag stimmte die Landesregierung Ende März 2022 zu. Konkret wurde mit einer Änderung der Agrareinfuhrverordnung das Zollkontingent Brotgetreide erhöht: 20’000 Tonnen wurden Anfang Mai freigegeben, weitere 10’000 Tonnen folgen Anfang September und November.

Zweite Erhöhung: 20’000 Tonnen

Doch diese zusätzlichen Mengen reichen nicht aus. Um den inländischen Bedarf an Brotgetreide abzudecken, sind laut der Getreidebranche weitere Importe nötig. Die Landesregierung sieht das auch so.

Der Bundesrat hat daher das Zollkontingent Brotgetreide 2022 am Freitag um weitere 20’000 Tonnen erhöht, davon können je 10’000 Tonnen ab Anfang September und November importiert werden. Die Änderung tritt am 1. Juli 2022 in Kraft. Damit wurde in diesem Jahr das Importkontingent bis jetzt um 60’000 Tonnen erhöht.

Jedes Jahr können 70’000 Tonnen Brotgetreide innerhalb des Zollkontingents Nummer 27 zu einem tieferen Zollansatz eingeführt werden. Dieses Kontingent wieder aber nicht jedes Jahr ausgeschöpft. 2022 steigt nun die zollbegünstigte Menge auf 130’000 Tonnen. 

Preise müssten steigen

Ende Juni stehen die Richtpreisverhandlungen für die Ernte 2022 an. Aufgrund des Nachfrageüberhangs und der leeren Lager drängen sich Erhöhungen auf. Die hohen Importmengen stützen die Position der Getreidebauern. Ausserdem haben die Landwirte mit massiv höheren Produktionskosten zu kämpfen, insbesondere beim Dünger.

«Ammonsalpeter 27%» kostet derzeit um die 90 Franken pro 100 kg, Harnstoff um die 150 Franken, drei Mal mehr als noch vor einem Jahr. Ein Lohnunternehmer rechnete dem «Schweizer Bauer» vor, dass es mindestens 8 Franken mehr auf den ausbezahlten Brotweizenpreis braucht, damit pessimistisch gerechnet überhaupt die Kosten gedeckt sind. Das sei aber das Minimum, sagte er weiter. 

Ammonsalpeter hat sich in den vergangenen Monaten massiv verteuert.
Olivier Ruprecht

Entscheid fällt am 28. Juni

In absoluten Zahlen heisst das, dass der Richtpreis beim Brotweizen von 52 Franken pro 100 kg auf mindestens 60 Franken steigen muss. Der Richtpreis wird am 28. Juni von der Kommission Markt-Qualität Getreide von Swiss Granum festgelegt und publiziert.

Die Kommission umfasst 15 Mitglieder aus der gesamten Wertschöpfungskette rund um das Getreide. Nebst Fritz Rothen von IP-Suisse und Christian Oesch vom Verband der Schweizer Futtermittelfabrikanten ist Fritz Glauser als Präsident der Schweizer Getreideproduzenten dabei.

Die Richtpreise bewegen sich seit mehreren Jahren seitwärts. Seit 2014 haben sie sich nicht mehr verändert. Das mit einer Ausnahme: 2021 wurde aufgrund der guten Nachfragesituation der Ernterichtpreis für Dinkel um 2.- auf 58 Franken pro 100 Kilo erhöht. 

Richtpreise (CHF/dt) für Brotgetreide der Ernte 2021:

  • Weizen Top 52.00
  • Weizen I 50.00
  • Weizen II 49.00
  • Weizen Biskuit 49.00
  • Roggen 40.00
  • Dinkel 58.00 
Die Landwirtinnen und Landwirte erwarten deutlich höhere Getreidepreise von der Branche.
Martin Wicki

SBV stützt Preisforderung

Der geforderte Preisaufschlag wird durch die Berechnungen des Schweizer Bauernverbandes (SBV) bestätigt. SBV-Direktor Martin Rufer hat die Kosten für «Schweizer Bauer» errechnet: «Pro Hektare Brotweizen sind die Kosten um ca. 500 Franken gestiegen.» Bei einem Ertrag von 62,5 dt/ha Weizen Top entspricht dies einen Plus von 8 Franken beim Richtpreis.

Der Schweizer Bauernverband hat bereits im Februar gefordert, dass die Preise steigen müssen. Der SBV verlangte damals eine umgehende Erhöhung von 5 Prozent.  Für das Jahr 2023 forderte er zusätzliche Erlöse von mindestens fünf Prozent in der Tierproduktion und zehn Prozent im Pflanzenbau. Dies deshalb, um die höheren Kosten und Risiken der Umsetzung neuer Umweltauflagen abzufangen.

In einigen Bereichen konnten die Bauern bei Verhandlungen höhere Preise aushandeln, beispielsweise bei den Kartoffeln oder der Milch. Umstritten ist, insbesondere bei der Milch und dem Futtergetreide, ob das erzielte Resultat für die Landwirtinnen und Landwirte ausreicht, um die gestiegenen Kosten auffangen zu können.

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5 Responses

  1. Wieso wurden die letzten Zwei Jahre die Zölle für Immporte beim Brotgetreide von 23 Franken auf 5.60 gesenkt? Der Weizen Preis ohne diese Senkung wäre 16,4 Franken höher als er jetzt ist.
    Uns werden immer mehr Vorschriften Auferlegt unsere Produktion verteuert. Wir müssen unsere Mehrkosten auch weitergeben können!! Nicht nur alle übergeordneten Verarbeiter und der Handel. Wir Landwirte sind Stolz Nahrungsmittel zu Produzieren aber nicht auf unserem Buckel.

  2. Importkontingente erhöhen und gleichzeitig ab 2024 fordern, 3.5 % der Ackerfläche zu extensivieren ist einfach nur noch absurd.
    Wie heisst es so schön: „Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend grosse Ausmasse angenommen hat.“

  3. Witzig, hat man doch noch in den letzten Jahren qualitativ hochwertigen Brotweizen als Futterweizen degradiert und verfüttert und heute fehlt er. Weitblick – Fehlanzeige.

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