Sonntag, 29. Januar 2023
04.12.2022 07:20
Neuenburg

Das sagt der «Nichtlandwirt» zum ersteigerten Hof

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Von: sal

Seit 1991 ist Werner Schüttel Landwirt in Le Cerneux-Péquignot NE. Am 20. Mai wurde sein Hof versteigert. Lesen Sie im fünften Teil unserer Serie, wie ein älterer Mann ohne Landwirtschaftsausbildung, aber mit viel Freude an der Landwirtschaft die Grundpfandtitel an sich nahm und so das Heimet in der Steigerung erwerben konnte.

Im Jahr 2017 wurde Landwirt Werner Schüttel auf 460’000 Franken und ausstehende Zinszahlungen darauf (10% Zins pro Jahr) betrieben. Da trat ein neuer Hofinteressent auf, ein Berner mit Freude an Pferden – derjenige, der das Heimet am 20. Mai 2022 an der Versteigerung schliesslich erwarb. Laut der Auskunft von verschiedenen Personen hatte er schon lange nach einem Landwirtschaftsbetrieb gesucht.

Kein ausgebildeter Landwirt

Der mittlerweile 79-jährige, spätere Ersteigerer sprach offen mit dem «Schweizer Bauer», am Telefon und bei einem persönlichen Treffen. Auf Facebook hat er sich als «Nichtlandwirt» bezeichnet. «Aber das betrifft nur die formelle Ausbildung, die ich nicht habe. Im Herzen bin ich ein Bauer. Und ich habe einige Erfahrung. Schon als Dreizehnjähriger habe ich mit zwei Freiberger Pferden im Feld mit einem Brabanter Pflug geackert und in der Landwirtschaft beim Ernten von Kartoffeln, Getreide, Heu, Runkeln mitgearbeitet. Seit über 28 Jahren habe ich einen Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet, vorerst mit Pensionspferden und danach mit Schafen und mit meiner Partnerin.»

15 Hektaren «Börter» und Steillagen

Er habe über 40 Grundstücke, Börder und Steillagen, in der Summe um die 15 Hektaren, bewirtschaftet. Auch 25 Obstbäume habe er gepflegt. Davon habe er sich auch als Nichtlandwirt, aber als Selbstbewirtschafter, einen Resthof und 2,5 Hektaren kaufen können (diesen hat er letztes Jahr verkauft). Und zwar lange ohne Direktzahlungen, die habe erst seine Partnerin beantragen können, als sie bei ihm eingestiegen sei.   

Person in Familie als Pächterin

Es ist dem Berner wichtig, dass man versteht, dass er eine grosse Leidenschaft für die Landwirtschaft hat. Es sei immer sein Traum gewesen, einen Landwirtschaftsbetrieb zu haben, und jetzt wolle er den ersteigerten Hof Le Creux in Les Cerneux-Péquignot NE instandstellen. Sein Ziel sei, in der schönen Weite der Jura-Landschaft zu leben und dort Landwirtschaft zu betreiben. Dabei gehe es ihm aber weniger um sich selbst, sondern um seine Nächsten.

Eine Person aus seiner Familie, welche eine formelle Ausbildung in der Landwirtschaft habe, plant er als Pächterin einzusetzen. In einem Onlinekommentar schrieb er: «Sollte sie das Vorkaufsrecht nicht beanspruchen, wird der Hof an einen Bürger aus der Region Le Cerneux-Pequgnot gehen. So mein Wunsch, das liegt jedoch nicht mehr in meiner Hand, werde das wohl kaum erleben.»

Darlehen von 214’500 Franken

Der Berner gab Schüttel immer wieder Geld, jeweils in Tausendernoten. «Als ich mit Herrn Schüttel Kontakt im Hinblick auf den Erwerb seines Hofes aufnahm, habe ich ihm Darlehen in mehreren Tranchen bis zu 214’500 Fr. gewährt, um ihm die Abzahlung von Schulden zu ermöglichen. Zudem habe ich ihm im Verlauf der Zeit, auch unter mehreren Malen, insgesamt noch 7700 Fr. geschenkt. Herr Schüttel machte immer Geldknappheit geltend und erbat Geld von mir.» Die 214’500 Fr. wurden später bei einem Berner Notar in einem Darlehensvertrag mit öffentlicher Urkunde festgehalten, ohne Zins.

Handschriftlich «Erstellung der Jauchegrube» versprochen

Am 13. Januar 2018 unterschrieb der spätere Ersteigerer einen handschriftlichen Zettel, auf dem stand: «Die Jauchegrube wird je nach Witterung sofort erstellt.» Der Hintergrund war, dass Schüttel wusste, dass er sich bei der Hofdüngerlagerung verbessern muss, der Kanton hatte dies auch angemahnt. Warum bis heute in diesem Bereich nichts gegangen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. 

Schüttel liess ein Projekt ausarbeiten und vermutet, die Behörden hätten sein Baugesuch absichtlich blockiert. Sein Projekt sei als «überdimensioniert» bezeichnet worden, so Schüttel. Es habe eine Güllengrube von 1450 m3 und eine Mistplatte von 20×30 Meter gehabt. Er habe schliesslich auch noch Pachtland, und habe früher zwischen 40 und 50 Kühen gehalten.

Projekt für neue Hofdüngeranlage abgelehnt

Die Behörden hätten das Projekt abgelehnt, so Schüttel. Ein Alternativprojekt, das der Kanton vorgeschlagen habe, habe lediglich eine 300m3 grosse Güllengrube  und einen Mistplatz von 100m2 umfasst. Das sei zu klein angesichts der Tiere, die er auf dem Heimet halten dürfe. Laut Schüttel hat später ein anderer Mitarbeiter der kantonalen Landwirtschaftsverwaltung die benötigte Grössenordnung bestätigt, jedenfalls gingen 900-1000m3 in Ordnung, mindestens müssten es 600m3 sein, berichtet Schüttel. Für Schüttel ist klar, dass das Versprechen des Ersteigerers bis heute gilt.

Der Berner sagt, wenn kein bewilligungsfähiges Projekt ausgearbeitet worden sei, habe er den Bau auch nicht bezahlen können. Darum sei in dieser Sache dann nichts gelaufen. Er selbst sei mit den Behörden nie in Kontakt gewesen. Ausserdem schreibt er: «Wie mir Herr Schüttel selber mitteilte, wollten ihn die Behörden in dieser Angelegenheit unterstützen und ihm offenbar helfen, den Mistplatz zu sanieren, was er jedoch abgelehnt habe.»

Massive Direktzahlungskürzungen

In der Folge wurden Schüttel die Direktzahlungen jährlich um 94’000 Fr. gekürzt, bis heute belaufen sich die Kürzungen auf über eine halbe Million Franken. Als Hauptgrund nennt Schüttel die Hofdüngeranlage, die nicht mehr genüge. Schüttel hat jeweils Beschwerde eingelegt, laut ihm ist das noch hängig. Das Landwirtschaftsamt des Kantons Neuenburg sagt dazu nichts, es verweist auf den Datenschutz.

Schüttel weist darauf hin, dass ein heutiger Mitarbeiter der Abteilung Direktzahlungen im Jahr 2010, als dieser noch beim kantonalen Veterinäramt gearbeitet habe, vor Gericht verloren habe gegen ihn. Es sei um eine Kürzung um 10’000 Franken Direktzahlungen gegangen, die vor Gericht nicht standgehalten habe. Schüttel hofft, dass dies heute in der Beurteilung seiner Anliegen keine Rolle spiele.

Offerte über Kauf inkl. Fahrhabe und Lebware über 1,6 Mio. Fr.

Am 13. Januar 2019 bekam Schüttel vom späteren Ersteigerer eine unterschriebene Kaufofferte von 1,6 Millionen für das Heimet inklusive Fahrhabe und Lebware. Die Kaufofferte ist maschinengeschrieben, aber in Kürzestform abgefasst. «Für die weiteren Verkaufs- und Übergabe-Termine mit ev. Pacht oder Anstellung treffen sich die Parteien ausserhalb dieser Offerte», steht ebenfalls auf dem Dokument. Vom selben Tag datiert eine unterschriebene Verkaufsbestätigung von Schüttel zum selben Preis.

Für diesen war entscheidend, dass er zusätzlich zu diesen 1,6 Mio. Fr. am selben Tag vom Ersteigerer folgendes Dokument erhielt: «Abrechnung für div: Der Unterzeichnete bestätigt Hr. Werner Schüttel in Le Creux, 2414 Le Cerneux-Péquignot, für seine Beratertätigkeit 200’000 Fr. zu bezahlen, dies nach Übergabe der Liegenschaft Le Creux. Die Bezahlung erfolgt in Raten je nach Beratungsintensität und Aufwand.» 

Schüttel leitet daraus ab, dass er in jedem Fall 200’000 Fr. zugut hat. Der Ersteigerer hingegen sagt: «Es handelte sich hierbei um ein sogenanntes Kostendach, welches in keinem Fall mit den Beratungstätigkeiten hätte überschritten werden dürfen. Wäre die Beratertätigkeit in geringerem Mass ausgefallen, wäre dieser im Kostendach festgehaltene Höchstbetrag auch nicht erreicht und nicht ausbezahlt worden.»

Landwirt Werner Schüttel mit Dokumenten zum Hof Le Creux in Le Cerneux-Péquignot.
Daniel Salzmann

Schüttel: Darlehen von 214’500 Fr. wäre weggefallen

Obendrauf sagt Schüttel im Hinblick auf sein damals erfolgtes Verkaufsversprechen, der Berner habe ihm versprochen, die bereits gewährten 214’500 Franken (Darlehen) zu vergessen, «in der Luft zu zerreissen». Jesus Christus habe das gehört, versichert er. 

Schüttel kommt in seiner Rechnung so auf total 2,014 Mio. Fr. (wovon 214’500 Fr. schon bezahlt gewesen wären) und sagt auch, dass in seinen Augen seit Januar 2019 an der Berner für die 46 000 Fr. jährlichen Zins hätte aufkommen müssen. Denn er habe ja den Kauf versprochen. Schüttel wartete ab in der Erwartung, dass er einen Vertragsentwurf über 1,6 Mio. Fr. erhalten werde.  

Vorvertrag: 1,114 Mio. Fr.

Doch es kam anders. In einem Vorvertrag eines Notars vom 12. Mai 2020 wurden Schüttel 1,114 Mio. Fr. offeriert (ohne Fahrhabe und Lebware). Der Vorvertrag werde erstellt, um die Verhandlungen wegen der Übertragung der Schuldbriefe von der Firma des Zentralschweizers an den Berner abzuschliessen. Das steht im Begleitdokument. Vom Verkaufspreis wären allerdings noch 700’000 Fr. abgezogen worden, «der Betrag, den Herrn X an Y gezahlt haben wird, um sich alle aktuellen Schuldbriefe auf die in dieser Urkunde genannten Immobilien und ihre Forderungen gegen Herrn Werner Schüttel abtreten zu lassen». 

Da laut Schüttel die Schuldbriefe selbst «nur» 460’000 Franken umfasst haben, ist es wahrscheinlich, dass die Firma des Zentralschweizer Landwirten, auf welche die Schuldbriefe lauteten, dem späteren Ersteigerer ausstehende Zinszahlungen und vielleicht auch einen Teil der Konventionalstrafzahlung über 180’000 Franken, die allerdings vor Gericht erstinstanzlich als ungültig durchgefallen war, als Forderungen weiterverkaufte. Denn bis Mai 2020 waren es noch nicht so viele Jahre, dass bereits so viele Jahreszinse à 46’000 Franken (10% Zins trotz Grundpfandtitel) aufgelaufen gewesen wären. So hätte Schüttel vermutlich trotz Sieg vor Gericht einen Teil der 180’000 Fr. bezahlt, wenn er auf den Vertrag eingegangen wäre.

«Schüttel wollte den Stall weiter nutzen»

Der Kaufinteressent und spätere Ersteigerer begründet den offerierten tieferen Preis damit, dass jetzt Fahrhabe und Lebware nicht mehr inbegriffen gewesen seien und Schüttel den Stall habe weiterhin habe nutzen wollen. Er sagt auch, dass sein Preis für die Grundstücke durchaus im Bereich der späteren Verkehrswertschätzung durch den Kanton in der Höhe von 1,28 Mio. Fr. gelegen habe.

Schüttel wiederum stellt das anders dar und sagt, die Differenz zu 1,6 plus 0,2 Millionen Franken sei viel zu gross gewesen, als dass ein Verkauf für ihn unter welchen Zusatzbedingungen auch immer noch in Frage gekommen wäre.

Darlehen gekündigt und Schüttel betrieben

In der Folge kündigte der spätere Ersteigerer das Darlehen. Schüttel sagt, am 30. Mai 2020, am Pfingstsamstag, seien ihm vom späteren Käufer zuerst via SMS, dann brieflich das Darlehen über 214’500 Franken gekündigt worden. Laut dem Darlehensvertrag mit öffentlicher Urkunde hätte er das Geld innert sechs Wochen zurückbezahlen müssen. Das konnte Schüttel nicht.

In der Folge betrieb ihn der Berner, der sagt: «Schüttel hätte aber danach noch ein Jahr und 10 Monate Zeit gehabt, das Darlehen zurückzuzahlen, nämlich bis zum Datum der Versteigerung seines Hofes, was er auch nicht tat.» So ging es erneut auf eine betreibungsamtliche Versteigerung zu. Wieder wurde ein Agronom mit der Schätzung beauftragt. Er kam am 19. Januar 2022 auf einen Verkehrswert von 1,280 Mio. Fr.

Provokation

Schüttel berichtet von einer «Provokation», wie er es nennt, am Ostermontag 2022 (18. April 2022). Der spätere Ersteigerer sei laut Schüttel mit zwei Begleitpersonen auf den Strassen und Wegen bei Le Creux vorgefahren. Er habe das Land betreten und innerhalb von rund zehn Minuten an zwei verschiedenen Stellen auf Schüttels Land uriniert. Beim zweiten Mal sei er, Schüttel, nur einige Meter entfernt gestanden und habe dann auch gesehen, wie der Genannte ihm noch provokativ mit der Hand gewunken habe.

Der Genannte weist diese Darstellung zurück. Der Ersteigerer sagt, er sei vor Ort gewesen, um zu schauen, was beim Holzen gegangen sei, er habe Landschaden befürchtet. Vielmehr sei Schüttel mit seinem Traktor bedrohlich nahe an die Personengruppe herangefahren. Ein Handyvideo zeigt, wie Schüttel vom Traktorensitz aus gesagt hat: «Ah, das Altersheim ist wieder unterwegs. Jetzt macht aber, dass ihr fortkommt. Auf Nimmerwiedersehen! Das Heimet ist verkauft.»

Den Vorwurf des zweimaligen öffentlichen Urinierens auf Schüttels Land in Sichtweite von Schüttel bestreitet der Berner vehement. Das sei ein Vorwurf, der an Ehrverletzung grenze. Seine zwei Begleitpersonen bestätigten das Dementi an einem Treffen mit dem «Schweizer Bauer», wobei die eine Person, die Kenntnisse in der Juristerei hat, bezüglich Urinieren dort zuerst gesagt hatte: «Und wenn es denn so gewesen wäre?» Schüttel beharrt auf der diesbezüglichen Darstellung mit den Worten: «Es war so. Jesus Christus hat es gesehen.» Es steht in diesem Punkt also Aussage gegen Aussage.

Schuldbriefe gingen an Berner über

Irgendwann vor der Steigerung, vermutlich im Spätwinter 2021/2022, wechselten die Schuldbriefe vom Zentralschweizer Landwirt bzw. von dessen Firma zum Berner. Er sagt selbst, die Erwerbsbewilligung im Hinblick auf die Versteigerung habe er mit Verweis auf Art. 64 Abs. 1 lit. g des Gesetzes über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) erhalten, das dort eine Ausnahme vom Selbstbewirtschafterprinzip enthält.

Im Kommentar zum BGBB der Rechtsgelehrten Beat Stalder und Christoph wird aber auf einen Leitentscheid des Bundesgerichts verwiesen, wonach es eine Rechtsumgehung sei, wenn die Grundpfandtitel nur deshalb zu einem künftigen Ersteigerer gingen, damit dieser als Nichtlandwirt an der Versteigerung zum Zug kommen könne (vgl. Kasten)

Rechtsumgehung? 

Das Gesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) sieht das Prinzip der Selbstbewirtschaftung vor: Landwirtschaftliche Grundstücke können nur von Personen erworben werden, die nachweisen können, dass sie das Land selber bewirtschaften können. Es gibt aber Ausnahmen, eine davon ist Art. 64 Abs. 1 lit. g. Sie betrifft einen Gläubiger, der ein Pfandrecht am Gewerbe oder am Grundstück hat und dieses in einem Zwangsvollstreckungsverfahren erwirbt. Diese Ausnahme wurde hier beansprucht.

Zwei vom «Schweizer Bauer» angefragte Experten im bäuerlichen Bodenrecht, ein Rechtsanwalt und ein Agronom mit Erfahrung im Agrarrecht, verweisen grundsätzlich und allgemein auf einen Leitentscheid des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2005 (BGE 132 III 212). Dessen Zusammenfassung lautet wie folgt: «Das Geschäft, sich eine durch ein Pfandrecht an einem landwirtschaftlichen Grundstück gesicherte Forderung abtreten zu lassen mit dem Ziel, dieses Grundstück im Rahmen einer Zwangsverwertung dank der in Art. 64 Abs. 1 lit. g BGBB vorgesehenen Ausnahme vom Prinzip der Selbstbewirtschaftung zu erwerben, stellt eine Gesetzesumgehung dar.»

Die Rechtsgelehrten Beat Stalder und Christoph Bandli schreiben in ihrem Kommentar zum BGBB bezüglich Art. 64 Abs. 1 lit. g: «Allerdings findet der Erwerb eines landwirtschaftlichen Gewerbes oder Grundstücks durch einen Nichtselbstbewirtschafter gestützt auf ein ihm übertragenes Pfandrecht seine Grenze beim Verbot des Rechtsmissbrauches bzw. der Rechtsumgehung.» Ob das im Fall Le Creux der Fall ist, ist auf den ersten Blick offen.

Die Aufsichtsfunktion über das BGBB liegt beim Bundesamt für Justiz. Für den Vollzug sind die Kantone zuständig. Im Kanton Neuenburg ist das die Bodenrechtskommission, an deren Spitze Pierre-Yvan Guyot steht. Er betont, die Kommission habe den Fall in Übereinstimmung mit dem BGBB und mit der Rechtsprechung behandelt.

Die Versteigerung

Am 20. Mai 2022 ging in La Chaux-de-Fonds die Versteigerung des Hofes Le Creux über die Bühne. Diese fand ohne Doppelruf statt, es wurde also das Heimet mitsamt darauf liegenden Lasten wie Wohnrechten etc. versteigert. Die Gebote für die fünf Einzelparzellen beliefen sich in der Summe auf 1,35 Mio. Fr. Der Bruder des Schätzers von 2015 habe dort mindestens auf eine Parzelle geboten, heisst es.

Die für den Hof als Ganzes gebotene Summe belief sich auf 1,45 Mio. Fr., das war das Gebot des Berners, der sich spätestens seit 2018 für den Hof interessiert hatte. Da dieses Gebot höher war als die Summe der Gebote für die Einzelparzellen, bekam er den Zuschlag.  

So sah es an der betreibungamtlichen Versteigerung  vom 20. Mai 2022 aus. 
zvg

Junge Landwirte enttäuscht

Das regionale Newsportal arcinfo.ch berichtete über die Steigerung. Rund ein halbes Dutzend junge Landwirtinnen und Landwirte aus der Region hätten mitgeboten, in der Hoffnung, sich dort installieren zu können, die entsprechend enttäuscht gewesen seien. Angesichts der anstehenden Renovationsarbeiten «war der Preis viel zu hoch für uns, die wir den Betrieb rentabel machen müssen», wurde eine junge Landwirtin zitiert.

Der Ersteigerer wiederum freute sich gleichentags auf Facebook: «Heute, den 20. Mai 2022, einen Monat vor meinem 79igsten Geburtstag, wurde ich als Nichtlandwirt Eigentümer des Hofes Le Creux in Le Cerneux-Péquignot mit einer Fläche von 64,5 Hektaren.» 

Im Grundbuch ist der Neue

Mittlerweile ist der Ersteigerer im Grundbuch eingetragen. Schüttel aber bewirtschaftet Le Creux weiterhin. Er sagt, er habe vom Betreibungsamt keine Abrechnung erhalten und ebenso wenig ein Räumungsbegehren. Vielmehr bekomme er Direktzahlungen an die Adresse Le Creux und am 14. November sei auch eine Rechnung von der Gebäudeversicherung eingetroffen.

Der Ersteigerer erwidert, er habe den Preis von gut 1,4 Mio. Fr. vollumfänglich bezahlt. Ihm entstünden nun laufend hohe Kosten für Wohnung und Unterbringung der Tiere, weil er Le Creux noch nicht habe beziehen können. Er sagt auch, er habe Schüttel seinerzeit helfen wollen und ihm deshalb immer wieder Geld gegeben. Nun aber wolle er mit ihm nicht mehr mit ihm verhandeln.

Räumung beantragt

Die Direktzahlungen bis 1. Oktober 2022 stünden Schüttel ohnehin zu, sagt der Ersteigerer. Die Rechnung von der Gebäudeversicherung habe er auch erhalten. Sein Anwalt habe beim Anwalt von Schüttel schon im Sommer die Exmission (Wegweisung/Räumung) beantragt. Es sei jetzt Sache der Behörden, dafür zu sorgen, dass er Le Creux als im Grundbuch eingetragener Eigentümer beziehen und bewirtschaften könne. 

Schüttel widerspricht Vorwurf

Schüttel berichtet, in den letzten Tagen habe ihn ein Brief vom Anwalt des Ersteigerers erreicht. Darin werde ihm unter anderem vorgeworfen, er habe Bäume gefällt. Das bestreitet Schüttel. Ja, er habe im Winter geholzt. Aber seit der Steigerung im Mai sei kein einziger Baum mehr gefällt worden, nur am Boden liegende Äste seien zusammengeräumt worden.

«Loipenmaschinen stören nachts meinen Stier und Wildtiere»

Der Ersteigerer berichtet, «dass der Präsident des Verbandes der Langläufer und Langläuferinnen Herrn Schüttel offenbar kontaktierte, um den genauen Verlauf der Langlaufpiste festzulegen, und dieser ihm den Zugang hierzu verweigerte. Hierauf trat der Verbandspräsident mit mir in Verbindung, um einen Augenschein an Ort und Stelle vornehmen zu können. Aus Sicherheitsgründen und um eine unliebsame Konfrontation mit Herrn Schüttel anlässlich des Betretens meines Landes zu verhindern, haben wir darauf verzichtet.»

Will Schüttel wirklich die Loipenführung dort blockieren und so Tausende Sportler enttäuschen, die ihm nichts getan haben? Schüttel bestätigt, dass er bezüglich Loipe abgewunken habe. Er begründet dies mit Unrat, den er entlang der Loipe gefunden habe, und vor allem mit der Pistenmaschine, die nachts mit Scheinwerfern komme und damit seine Tiere störe, sein Stier habe ihretwegen immer gebrüllt, und auch Wildtiere aufschrecke. 

Schlichtung steht an

Am kommenden Donnerstag findet vor dem Regionalgericht in La Chaux-de-Fonds eine Schlichtungsverhandlung zwischen Schüttel und dem Ersteigerer statt.

Serie 

Dies ist der letzte Teil der Serie über Landwirt Werner Schüttel. Vorher erschienen sind: 

Teil 1: Sabotage, Kuhabgänge und Fast-Brände
Teil 2: Der Überfall vom 27. November 2014 und der Rauswurf aus der Käsereigenossenschaft
Teil 3: Koksender Bauernlehrling brach bei Schüttel ein 
Teil 4: Ein Schätzer, dessen Bruder, 125000 Franken in Bar, und 10% Zins 

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22 Responses

  1. Der Abschluss eines atemraubendem Krimis! Für mich macht dieser Schüttel einen glaubwürdigen Eindruck. Dass sich, bei einem, in einer Notsituation steckenden, auch zwiehlichtige figuren ansammmeln ist allgemein bekannt. Ob es ein finanzstarker Unternehmer und Landwirt oder der in der ganzen Schweiz bekannte alternde fast mittellose patrolfahrende Pferdenarr, der seit Jahren einen Betrieb zum Nulltarif sucht, ist; spielt keine rolle, schähmen sollen sich beide, viel glück, Herr Schüttel!

    1. Lieber Psychologe. Siehe Abschnitt Provokation vom 18. 4. 2022. Zitiere den Neutralen Journalisten: Ein Handyvideo zeigt, wie Schüttel vom Traktorensitz aus gesagt hat: «Ah, das Altersheim ist wieder unterwegs. Jetzt macht aber, dass ihr fortkommt. Auf Nimmerwiedersehen! Das Heimet ist verkauft. Damit lügt Schüttel bewiesen einmal mehr. Wie will er das Heimet verkauft haben, wenn ich die Grundpfantitel habe?

  2. Lieber Psychloge. Lest unter Provokation, zitiere den neutralen Journalisten: Ein Handyvideo zeigt, wie Schüttel vom Traktorensitz aus gesagt hat: «Ah, das Altersheim ist wieder unterwegs. Jetzt macht aber, dass ihr fortkommt. Auf Nimmerwiedersehen! Das Heimet ist verkauft.» Eine klare Lüge nebst anderen. Wie will er verkauft haben wenn ich die Grundpfandtitel habe? Dann soll ich mich noch innert 10 Minuten 2 mal erleichtert haben? Jesus hats gesehen?

  3. Lieber Psychloge. Lest unter Provokation, zitiere den neutralen Journalisten: Ein Handyvideo zeigt, wie Schüttel vom Traktorensitz aus gesagt hat: «Ah, das Altersheim ist wieder unterwegs. Jetzt macht aber, dass ihr fortkommt. Auf Nimmerwiedersehen! Das Heimet ist verkauft.» Eine klare Lüge nebst anderen. Wie will er verkauft haben wenn ich die Grundpfandtitel habe? Dann soll ich mich noch innert 10 Minuten 2 mal erleichtert haben? Jesus hats gesehen?

    1. Ihre Antwort bestätigt meine Vermutung. Sie haben die Schuldbriefe überteuert vom Innerschweizer Unternehmer gekauft und sich somit trotz fehlender Fähigkeit/Ausbildung, eine“Erwerbsbewilligung“ vom Kanton erschlichen. So geht das…..

      1. Lieber Menschenversteher und Psycholge. Sie haben sicher viele Finanzmittel was Sie befähigt zu sehen, dass ich die die Grundpfandtitel überteuert gekauft habe (Zins läuft ja innerhalb von 5 Jahren keiner für eine Firma). Vorallem werden Sie mir ja auch belegen können wie ich die Grundpfandtitel „erschlichen“ habe. Wir werden es ja sehen.

  4. Lieber Psychologe. Unter Provokationen zitiere ich den neutralen Journalisten: Ein Handyvideo zeigt, wie Schüttel vom Traktor aus gesagt hat: Ah ja, das Altersheim ist wieder unterwegs. Jetzt macht aber , dass ihr fortkommt. Auf Nimmerwiedersehen! Das Heimet ist verkauft. Das ist eine klare Lüge, nebst anderen !! Wie will Schüttel verkauft haben, wenn ich die Grundpfandtitel habe?Ebenso soll ich mich innerhalb 10 Minuten 2 Mal erleichtert haben?? Jesus hats gesehen??

  5. An den Psychologen : Leider ist diese Info mehrfach erschienen, weil der Ersteigerer wieder gesperrt wurde. Deshalb probierte ich es nocheinmal, schliesslich war ich zu Beginn als Käufer von Schüttel bestätigt und notariell als Käuferin aufgeführt worden.

  6. Nachdem der Ersteigerer 214500.- Schüttel als Anzahlung für den Hof gegeben hatte und kein weiteres Geld mehr geben wollte, fragte er mich um Geld. Da ich eine Sicherheit wollte, und dafür Kühe verlangte, lehnte er mich als Käuferin ab. PS ich bin Landwirtin

  7. Sehr dubios diese ganze Sache. Könnte der Zentralschweizer Landwirt und Unternehmer ein gewisser U.B. sein? Sehr wahrscheinlich hat er doch früher Beziehungen zu einem großen Berner Bauunternehmen.

  8. Man kann die Geschichten glauben oder nicht. Es kann sein das die Geldgeber Schlüter beim Kauf über den Tisch ziehen wollten, es kann aber auch sein das Schüttel aus der Situation noch grossen Profit schlagen wollte. Man kann auch die Geschichten der Sabotage durchaus glauben, aber gerade so gut ist hier ein versagen des Betriebsleiter möglich durch totale überforderung mit dem Betrieb. Eines kann man mit Sicherheit sagen, dise Geschichte könnte auch g aus der Fantasie der Gebrüder Grimm stammen

  9. Bravo Herr Schüttel gut gemacht! Wieder ein Stück Natur gerettet und der Spekulation, sowie Übernitzung entzogen.
    Grüsse von alter Frau, als Berbauertochter aufgewachsen

  10. Wie ist es rechtlich möglich, dass ein 79-jähriger Nichtlandwirt 64 Hektaren Kulturland kaufen kann? Selbst bewirtschaften wird er es bestimmt nicht. Es wäre sinnvoller gewesen, dieses Land an junge Landwirte/innen aus der Region zu verkaufen, deren berufliche Existenz davon abhängt.

  11. Traurig , traurig ! Wenn es schlecht läuft, sind zweifelhafte Typen nicht weit. Hüte Dich vor Deinem Landsmann! Ein Spruch , den lange nicht verstand , heute leider schon ! Good Luck Werner Schüttel !

      1. Nein , ich erlebe etwas Ähnliches gerade selber ! An gutgemeinten Ratschlägen fehlt es nicht, aber auch Hintergedanken und dubiose Absichten kommen zuTage . Man steht allein in einer Notsitation.

      2. Nein, befinde mich aber selber in einer Notlage kann nicht schlafen . In so einer Situation kreuzen Scharenweise Gestalten mit verschiedenen Absichten auf.

  12. Die gleichen Akteure die Versuchen Werner Schüttel zu erledigen, sind vielleicht auch noch an anderen dreckigen Sachen beteiligt in der Region! Nur zu gut das die Staatsanwaltschaft Wind vom ganzen bekommen hat……

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