
Es zeichnet sich trotz momentaner Hitze und Trockenheit keine Entspannung im Milchmarkt ab.
pixabay
Im vergangenen Herbst und Winter lagen die Einlieferungen teilweise bis zu 10 Prozent höher als im Vorjahr. Die Folge: Erstmals seit Jahren wurde wieder C-Milch gehandelt. Für die Milchproduzentinnen und Milchproduzenten hatte das gravierende finanzielle Folgen.
Gemäss Mitteilung der Branchenorganisation Milch (BOM) wurden auch in den ersten vier Monaten 2026 insgesamt 5 Prozent mehr Milch produziert. «Das brachte die Verarbeitungskapazitäten an die Belastungsgrenze. Und das gilt auch weiterhin», schreibt die BOM. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) rechnen für Mai und Juni mit Einlieferungen, die mehr als 3 Prozent über dem bereits hohen Vorjahresniveau liegen.
Volle Butterlager
Aufgrund der hohen Gehalte an Milchfett und Milcheiweiss sind gemäss BOM die Butterlager mit derzeit über 7000 Tonnen sehr hoch. «Diese hohen Lager bestehen trotz Entlastungsexporten im Umfang von bisher über 5000 t Butteräquivalenten in Form von Butter und Rahm», heisst es weiter. Von Herbst 2025 bis Ende September 2026 werden 2000 Tonnen Rahm und 4855 Tonnen Butter ausgeführt. Dazu werden Stützungsgelder aus dem Fonds Regulierung eingesetzt – insgesamt 24 Millionen Franken.
Die Dürre der vergangenen Wochen hat die Milchproduktion zwar sinken lassen. Die Branchenorganisation sieht aber keine Entwarnung – im Gegenteil. Ohne Drosselung der Produktion rechnet sie ab dem Herbst wieder mit einem deutlichen Marktungleichgewicht. «Daher sind Massnahmen unabdingbar», warnt sie. Eine dieser Massnahmen ist die neue Kommission «Marktanalyse Milchbranche und Massnahmen», die am 2. Juli ihre Tätigkeit aufnahm.
Massnahmen gegen Importdruck
Sie soll zuerst eine kurz- und langfristige Beurteilung der Marktsituation vornehmen. Anhand der Daten wird die Kommission anschliessend über Massnahmen sprechen. Um die Angebotsüberhänge zu meistern, sollen die Verarbeitungskapazitäten besser genutzt werden. Weiter will sich die Milchbranche dem Importdruck annehmen. In den vergangenen Monaten sind vermehrt günstige Milchprodukte in die Schweiz eingeführt worden. Nun sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, dies zu bremsen. «Damit mehr Wertschöpfung aus Schweizer Milch erzielt wird und die Importe zurückgedrängt werden», schreibt die BOM.
Segmentierung stärken
Doch als wichtigste Massnahme erachtet die Branchenorganisation die Drosselung der heimischen Produktion. Die BOM erwartet ab Herbst wieder ungestützte C-Milch. Es stehen eine höhere Verbindlichkeit durch verpflichtende Massnahmen und mehr Transparenz zur Diskussion. Für die Kommission bleibt aber das bereits bestehende Instrument der Segmentierung im Vordergrund. Dieses soll gestärkt werden.

BOM
Auch die Schweizer Milchproduzenten (SMP) warnen vor einem «erheblichen Marktungleichgewicht». Weder die verfügbaren Verarbeitungskapazitäten noch die Absatzmöglichkeiten könnten mit diesen Mehreinlieferungen Schritt halten, hielt die Organisation Mitte Juni fest. Zudem sei nicht mit zusätzlichen Kapazitäten zu rechnen. Die zusätzlichen Milchmengen fliessen laut SMP in Produkte mit tiefer Wertschöpfung.
«BOM muss Lösungen finden»
Die Marktsituation werde durch Überkapazitäten im Biomarkt – die Butterlager befinden sich auf Rekordniveau – zusätzlich belastet. Die SMP befürchten deshalb, dass sich im kommenden Herbst und Winter erneut ein gravierendes Marktungleichgewicht, also ein Milchüberschuss, einstellen wird. «Auf dem Schweizer Milchmarkt gibt es weiterhin keine Entwarnung», warnten die SMP Mitte Juni.
-> «Auf dem Schweizer Milchmarkt gibt es keine Entwarnung»
Deshalb verlangen die SMP von der BOM Lösungen. Die Forderungen sind allerdings eher allgemein formuliert. «Die BOM muss so rasch wie möglich wirksame Massnahmen erarbeiten und deren Umsetzung ohne Verzögerung vorantreiben», hiess es in der Mitteilung. Weiter schrieben die SMP: «Die Situation ist sehr ernst und erfordert jetzt entschlossenes Handeln. Produzentinnen und Produzenten, Verarbeiter sowie Handel tragen gemeinsam Verantwortung.»
-> BOM warnt vor noch tieferen Milchpreisen
-> Milchmarkt: Weitere 1325 Tonnen Butter werden exportiert
-> Milchmarkt: «Gegenmacht», Mengensteuerung und neue Preisbildung gefordert