
Micaël Müller (l.) und Stefan Arnold verantworten als Co-Geschäftsführer gemeinsam die Weiterentwicklung der SMP.
SMP
Während Jahrzehnten stand bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP) ein Direktor an der Spitze. Im Zuge des Führungswechsels gibt es eine Änderung bei der Bezeichnung. Aus dem Direktor wird ein Geschäftsführer.
Verkleinerte Geschäftsleitung
Ab dem 1. Juli sind es sogar deren zwei. Micaël Müller und Stefan Arnold haben als Co-Geschäftsführer die operative Verantwortung des Verbands übernommen. Begründet wird die Reorganisation mit den Kernaufgaben der SMP: einer starken politischen Interessenvertretung und einer «wirksamen» Positionierung der Schweizer Milch im Markt.
Die Neuausrichtung hat eine Reduktion der Geschäftsleitungsmitglieder zur Folge. Sie sinkt von fünf auf vier. Neben Müller und Arnold nehmen Christa Brügger (Organisation und Kommunikation) und Stephan Schneider (Finanzen, Personal und zentrale Dienste) Einsitz in die Geschäftsleitung. «Mit der neuen Organisationsstruktur bündeln die SMP Verantwortlichkeiten, vereinfachen Abläufe und verkürzen Entscheidungswege», schreibt die Dachorganisation der Schweizer Milchproduzenten in einer Mitteilung. Ziel sei es, die Interessen der Schweizer Milchproduzentinnen und Milchproduzenten noch wirksamer zu vertreten und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Milch nachhaltig zu stärken.
Ökonom und Agronom
Stefan Arnold ist seit dem 1. August 2016 für die SMP tätig. Der Marketingfachmann und Ökonom Stefan übernahm die Leitung des Geschäftsbereichs Marketing. Arnold studierte an der Hochschule für Wirtschafts- Rechts- und Sozialwissenschaften (HSG) in St. Gallen Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Studium arbeitete Arnold als Marken-Manager bei Nestlé. Von 2007 bis 2016 war er in verschiedenen Funktionen im Marketing von Unilever für die Ländergruppe Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH) tätig. Als Marketingleiter von Knorr und Chirat Schweiz war er unter anderem verantwortlich für die Reaktivierung des «Knorrli».
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Micaël Müller ist seit dem 1. Februar 2025 für die SMP tätig. Er verantwortete den Bereich Sortenkäse, Innovation und Bildung. Nach dem Agronomiestudium an der ETH Zürich arbeitete er ab 2007 beim Bundesamt für Landwirtschaft. Dort begleitete er den Ausstieg aus der Milchkontingentierung. 2010 wechselte Müller zur Migros Industrie. Zuerst verantwortete er den Einkauf der Elsa. Anschliessend leitete er die Beschaffung von Verpackungen und später die Verpackungsstrategie der Migros-Tochter. Der in Arzier VD aufgewachsene Müller kam bereits früh in Kontakt mit der Milchwirtschaft. Auf Milchbetrieben in der Schweiz, Deutschland und Kanada sammelte er praktische Erfahrungen.
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Neue Führung soll Schlagkraft stärken
Micaël Müller (43) und Stefan Arnold (47) treten die Nachfolge von Stephan Hagenbuch an. Letzterer führte den Verband während zehn Jahren. 2016 setzte sich der ETH-Agronom gegen einen branchenexternen Bewerber durch. Im Oktober trat Hagenbuch sein Amt an. Er wurde Nachfolger von Kurt Nüesch, der pensioniert wurde.

Wechsel an der SMP-Spitze: Stefan Hagenbuch (Mitte) übergibt die Führung an Stefan Arnold (r.) und Micaël Müller
SMP
Den Abgang von Hagenbuch kommunizierten die SMP am 23. März. Ob er freiwillig erfolgte, ist unklar. SMP-Präsident Boris Beuret sagte damals zur Trennung von Hagenbuch: «Die Schweizer Milchproduzenten stehen vor grossen Herausforderungen. Unser Anspruch ist es, die Interessen unserer Mitglieder mit noch mehr Klarheit und Wirkung zu vertreten. Mit der neuen Führungsstruktur stärken wir unsere Schlagkraft und schaffen klare Verantwortlichkeiten.» Liest man diese Zeilen, erhält man den Eindruck, dass Hagenbuch diese Schlagkraft nicht mehr zugetraut wurde.
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Hagenbuch seit 1991 bei den SMP
Der langjährige Direktor bleibt den SMP als Berater erhalten. Der 62-Jährige wird als «Beauftragter des Vorstands für Agrar- und Marktpolitik und Sonderprojekte» den Vorstand in strategischen Fragen weiterhin unterstützen, heisst es in der Mitteilung vom Mittwoch.
Hagenbuch hat den Verband in den vergangenen 35 Jahren massgeblich mitgeprägt. Er arbeitet seit 1991 für die SMP. Nachdem er Projektarbeiten in der längerfristigen Entwicklung der Milch- und Fleischproduktion sowie Beratungen von Produzenten und Genossenschaften durchgeführt hatte, übernahm er 1999 die Leitung der Abteilung «Agrarpolitik / Aussenhandel» und im Jahr 2000 des Bereichs «Wirtschaft & Internationales». 2016 schliesslich wurde er zum Direktor ernannt.
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Schwierige Marktsituation
Die damals schwierige Lage am Milchmarkt sei eine grosse Herausforderung, schrieb der Dachverband der Milchbauern im September 2016. Es gelte, die gemeinsamen Interessen der Milchproduzenten und Mitgliedsorganisationen zu erkennen, zu bündeln und daraus die Handlungsschwerpunkte und Massnahmen zu definieren und umzusetzen, so die SMP weiter.
Auch 2025 und 2026 ist die Lage am Milchmarkt schwierig. Im vergangenen Herbst und Winter lagen die Einlieferungen teilweise bis zu 10 Prozent höher als im Vorjahr. Die Folge: Erstmals seit Jahren wurde wieder C-Milch gehandelt. Für die Milchproduzentinnen und Milchproduzenten hatte das gravierende finanzielle Folgen.
Warnung vor weiteren Angebotsüberhängen
Zwar wurden in den vergangenen Monaten Entlastungsmassnahmen durchgeführt. Von Herbst 2025 bis Ende September 2026 werden 2000 Tonnen Rahm und 4855 Tonnen Butter exportiert. Dazu werden Stützungsgelder aus dem Fonds Regulierung eingesetzt – insgesamt 24 Millionen Franken.
Doch diese Marktentlastungsmassnahmen reichen nicht aus. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) warnten Mitte Juni vor neuen Angebotsüberhängen. In den ersten vier Monaten des Jahres lagen die Milcheinlieferungen rund fünf Prozent über dem Vorjahr. «Auch für Mai und Juni wird mit Einlieferungen gerechnet, die mehr als 3 Prozent über dem bereits hohen Vorjahresniveau liegen», schrieben die SMP.
«Situation ist sehr ernst»
Gemäss SMP können weder die verfügbaren Verarbeitungskapazitäten noch die Absatzmöglichkeiten mit diesen Mehreinlieferungen Schritt halten. Zudem sei nicht mit zusätzlichen Kapazitäten zu rechnen. Sorgen machen der Dachorganisation der Schweizer Milchbauern auch die vollen Butterlager. «Diese steigen trotz Exporten und dem saisonalen Verlauf deutlich an. Zudem sind die Verarbeitungskapazitäten stark ausgelastet», schrieben die SMP.
«Die Situation ist sehr ernst und erfordert jetzt entschlossenes Handeln. Produzentinnen und Produzenten, Verarbeiter sowie der Handel tragen gemeinsam Verantwortung», warnten die SMP Mitte Juni. Die Branchenorganisation Milch müsse wirksame Massnahmen erarbeiten und deren Umsetzung ohne Verzögerung vorantreiben, machte der Verband deutlich.
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