
Sowohl Getreide- als auch Milchproduzenten müssen ihre hochwertigen Schweizer Rohstoffe in einem Umfeld absetzen, das zunehmend von günstigen Importen und internationalen Preisen geprägt ist. Das drückt die Preise.
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Unter dem Titel «Milch. Getreide. Markt. Wo stehen wir, was kommt auf uns zu?» hatten die Landwirtschaftlichen Vereine Gantrisch und Konolfingen in die Landi Konolfingen BE eingeladen. Als Referenten waren David von Wattenwyl, der Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands (SGPV), und Jürg Dummermuth, Vorstandsmitglied der Branchenorganisation Milch (BOM), geladen.
Die beiden Branchenvertreter beschrieben zwei Märkte mit ähnlichen Problemen: steigende Kosten, Importdruck und sinkende Verarbeitungskapazitäten im Inland.
Wenn die gute Ernte zur Last wird
Beim Brotgetreide hat sich die Lage innerhalb zwei Jahren gedreht. Auf die schwache Ernte 2024 folgte 2025 eine deutlich bessere. Auch 2026 fielen Menge und Qualität schweizweit erfreulich aus. Die Lager sind entsprechend gut gefüllt - und genau das wird nun zum Problem. Laut Von Wattenwyl werden fürs kommende Jahr rund 175’000 Tonnen Brotgetreide an Lager erwartet. Ideal wären jedoch nur zwei bis drei Monatsvorräte, was rund 90'000 Tonnen entspricht. Voraussichtlich müssen deshalb weitere 50'000 bis 60'000 Tonnen Brotgetreide deklassiert werden.
-> Noch immer 130’000 Tonnen an Lager
Gleichzeitig drücken importierte Backwaren und Teiglinge auf den Absatz. Die Müller verlangten deshalb in den diesjährigen Richtpreisverhandlungen eine erhebliche Preissenkung. Für den SGPV war dies jedoch inakzeptabel. Dennoch musste der Verband einem Kompromiss zustimmen, um überhaupt Richtpreise zu erhalten. Von Wattenwyl verteidigte diesen Schritt. Ohne Einigung hätte ein ungeordneter Markt gedroht, in dem sich die Preise womöglich am deutlich niedrigeren Importniveau orientiert hätten. Die Abhängigkeit sei gegenseitig, so Von Wattenwyl. «Ohne Verarbeiter in der Schweiz braucht es kein Schweizer Getreide und ohne Schweizer Getreide braucht es keine Schweizer Verarbeiter.»
-> Brotgetreide: Richtpreise sinken
-> Getreide: Richtpreissenkung hart kritisiert
«Zu viel vom falschen Getreide»
In der Diskussion meldete sich Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger (SVP/BE) zu Wort. Dass die Landwirtschaft Getreide deklassieren müsse, könne heute kaum jemand verstehen, gab er zu bedenken. Von Wattenwyl antwortete: «Wir haben nicht zu viel Getreide. Wir haben zu viel vom falschen Getreide.» Es werde zu viel Brotweizen produziert, während die Schweiz bei Futtergetreide von grossen Importen abhängig sei. Da Futtergetreide massiv schlechter bezahlt werde, sei dessen Anbau im Vergleich zum Brotweizen wirtschaftlich völlig unattraktiv.

V.l: Daniel Zaugg (Präsident des Landwirtschaftlichen Vereins Konolfingen), David von Wattenwyl (Präsident Schweizerischer Getreideproduzentenverband), Jürg Dummermuth (Vorstandsmitglied der Branchenorganisation Milch), Urs Haslebacher (Präsident Landwirtschaftliche Verein Gantrisch).
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Seit 2011 liegt der Preis bei rund 36,50 Franken pro Dezitonne. «Für einen Schweizer Rohstoff ist das definitiv unwürdig», sagte von Wattenwyl. Langfristig müsse Futtergetreide attraktiver werden, damit auf geeigneten Standorten vermehrt Futter- statt Brotgetreide wächst und der Markt ins Gleichgewicht kommt. Entscheidend sei, die Produktion stärker auf den Absatz auszurichten.
«Preissenkungen vernichten Wertschöpfung in der Schweiz»
Eine bessere Anbauplanung allein löse das Problem aber nicht. Während das Brotgetreide selbst durch Zölle geschützt ist, gelangen verarbeitete Produkte wie Teiglinge mit deutlich geringerem Grenzschutz ins Land. Damit gehe nicht nur Absatz für Schweizer Rohstoffe verloren, sondern auch Arbeit für einheimische Mühlen und Bäckereien.

Der Import von ausländischen Halbfertig- und Fertigbackwaren hat sich in den letzten zehn Jahren massiv erhöht.
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Ein Gipfeli aus Schweizer Produktion kostet in der Herstellung rund einen Franken. Davon entfallen gerade einmal vier Rappen auf das Mehl. Ein importiertes Aufbackgipfeli kommt dagegen für rund 30 Rappen ins Land. Mit diesem Beispiel zeigte von Wattenwyl wie ungleich die Ausgangslage ist. Preise zu senken, um gegenüber dem Ausland konkurrenzfähig zu werden, sei aus seiner Sicht der falsche Weg. Das werde man nie sein. «Das Einzige, was wir hier machen, ist Wertschöpfung in der Schweiz vernichten.»
-> Billige Backwaren setzen Schweizer Getreidemarkt unter Druck
150 Millionen Liter Milch mehr
Kaum entspannter präsentiert sich der Milchmarkt. «Es wurde gemolken wie noch nie», sagte Jürg Dummermuth, selbst Milchproduzent aus Thörishaus BE. Im Frühling seien rund 150 Millionen Liter zusätzliche Milch auf den Markt gekommen. «Milchproduktion, der Milchhandel oder das Milchgeschäft, ist ein Fingerhut-Geschäft», erklärte er. Schon kleine Überschüsse bringen das Gleichgewicht ins Wanken.
Gleichzeitig sanken die Verarbeitungskapazitäten. Zeitweise konnten die Verarbeiter die angelieferte Milch kaum noch verarbeiten. Schwierigkeiten beim Käseexport und der starke Franken verschärften die Lage zusätzlich. Verarbeitet werden muss die Milch trotzdem. Ein Teil wurde zu Butter, die anschliessend mit hohen Verlusten exportiert werden musste. Dummermuth nannte die Grössenordnung.
In der Schweiz sei ein Kilogramm Milchfett rund 12,50 Franken wert, auf dem Weltmarkt koste ein Kilogramm Butter etwa 3,60 Franken. Diese Differenz belaste die Milchproduzenten. Er würde deshalb lieber geringe Mengen Butter importieren, als grosse Überschüsse exportieren zu müssen.

Jürg Dummermuth zufolge bringen schon kleine Überschüsse auf dem Milchmarkt das Gleichgewicht ins Wanken.
Seraina Pünter
Die Branche reagierte mit einer Senkung des Richtpreises, Massnahmen zur Entlastung des Buttermarktes und Mengenbremsen. Als Beispiel nannte Dummermuth die 105-Prozent-Regel bei Mittelland Milch. Für Milch über 105 Prozent der Menge des entsprechenden Vorjahresmonats erhielten die Produzenten nur noch sieben Rappen je Kilogramm.
-> Milchmarkt: «Gegenmacht», Mengensteuerung und neue Preisbildung gefordert
Importhahn bleibt offen
Laut Dummermuth ist Mozzarella der meistgegessene Käse der Schweiz. Gerade hier konkurrierten Schweizer Hersteller direkt mit günstigeren ausländischen Anbietern. Um Schweizer Mozzarella überhaupt absetzen zu können, seien Preiszugeständnisse nötig, die sich bis auf den Milchpreis auswirkten.
Eine Rückkehr zur Milchkontingentierung sieht Dummermuth deshalb kritisch. Solange der Importhahn offen bleibe, lasse sich der Markt nicht allein über die einheimische Produktion steuern. Als wichtiges Instrument nannte er stattdessen eine konsequente Segmentierung. Überschüssige C-Milch müsse klar vom übrigen Markt getrennt werden, damit sie nicht auf die Preise der restlichen Milch drücke. Wie das durchgesetzt werden soll, darüber sei sich die Branche allerdings noch nicht einig.
-> So will BIG-M den Milchmarkt stabilisieren
-> «Schweizer Bauer»-Umfrage «Milchkrise: Machen die Verbände genug?»
Zwei Märkte, eine Frage
So unterschiedlich die beiden Märkte sind, an diesem Abend zeigte sich eine klare Gemeinsamkeit: Getreide- wie Milchproduzenten müssen hochwertige Schweizer Rohstoffe in einem Umfeld absetzen, das zunehmend von günstigen Importen und internationalen Preisen geprägt ist. Von Wattenwyl sieht in einem besseren Grenzschutz und einer höheren Wertschätzung für Schweizer Produkte wichtige Voraussetzungen.
Mit Blick auf die kommenden Monate äusserte Dummermuth offen seine Sorge. Noch immer liege die Milchproduktion über dem bereits hohen Vorjahresniveau. Ende November muss die BOM den Richtpreis für Anfang 2027 festlegen. Sollte die Menge bis dahin nicht zurückgehen, werde das schwierig. «Ich muss ehrlich sagen, ich habe ein bisschen Bauchweh, wenn ich an den Frühling denke.»
Zu viele Akteure profitieren von diesem System, darum ändert sich nichts. Erst wenn die Lieferketten ins Stocken geraten würden gäbe es eine Besserung. Leider ist das so.