Freitag, 30. September 2022
08.01.2022 11:55
Jahresrückblick (11/15)

Schweine: Preise wie vor 50 Jahren

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Von: lid

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) zieht Bilanz über das Jahr 2021. Die Schweinehalter würden den kommenden Jahren zuversichtlich entgegen sehen trotz über 270 Prozent Teuerung in den letzten fünfzig Jahren. Mehr dazu im zehnten Teil der Jahresrückblick-Serie.

Die Teuerung in den letzten 50 Jahre beträgt 270 Prozent, die Schweinepreise ab Hof sind aber trotz gestiegenen Kosten unverändert. Die gut ausgebildeten Schweinehalter sähen den kommenden Jahren mit dem steigenden Eiweissbedarf für die wachsenden Bevölkerung, der hochstehenden Qualität und mit leidenschaftlichem Einsatz aber zuversichtlich entgegen, betont Adrian Schütz von Suisseporcs, dem Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband.

«Das Gleichgewicht des täglichen Bedarfs auf dem Teller und der naturgemäss langfristigen Ferkelproduktion ist herausfordernd», sagt Schütz. Bei einer Unterversorgung verliere die Schweiz insgesamt Wertschöpfung und Tierwohl durch die Verdrängung mit Importen.

Mit der aktuell gestiegen Schweinefleischmenge in der zweiten Jahreshälfte hingegen sei der Verdienst aus der täglichen Stallarbeit leider weggebrochen. «Notwendige Investition können dadurch nicht mehr getätigt werden. Im Schweinezyklus dauert die Gegenreaktion erfahrungsgemäss zwei Jahre oder mehr», so Schütz.

Nicht mit genügend Mehrwert verkauft

Die Schweinehalter haben in der Schweiz kleine, bäuerlich geprägte Strukturen. Die Konsumenten haben eine breite Auswahl an Schweizer Fleisch aus zusätzlichen Tierwohl-, Ökologie- und Landbauprogrammen. Vom Gesamtangebot erfüllen laut Adrian Schütz rund 60 Prozent erweiterte Labelanforderungen. Lediglich die Hälfte davon wird aber mit Mehrwert gekauft, der Bioanteil liegt bei unter 2 Prozent.

«Vor allem die Massentierhaltungsinitiative hätte für die Betriebe mit Nutztieren gravierende Auswirkungen. Es wird etwas verlangt, was nicht gekauft wird. Alle müssten dann bei den Haltungsbedingungen das Bio-Niveau erfüllen, was die Haltung und damit die Konsumentenpreise enorm verteuern und das Sortiment radikal einschränken würde», so Schütz.

Schweinehalter haben Transparenz geschaffen

Das Bewusstsein für geschlossene Kreisläufe, regionale Angebote und bedarfsgerechte Ernährung von Menschen und Tier steigt. Ein vom Parlament kürzlich angenommenes Postulat gibt dem Bundesrat den Auftrag, eine umfassende Ernährungspolitik auszuarbeiten.

Bei dieser sollen alle Stufen einbezogen sein und ihren Beitrag leisten, um die Nachhaltigkeit beim Essen zu verbessern. Dabei soll die einheimische Landwirtschaft ihre Marktanteile halten können. Schweizer Schweine leisteten dabei als Nebenproduktverwerter und mit Zusatznutzen für Biogas, Humusaufbau und Wertstoffen für die Bodenfruchtbarkeit eine tragende Rolle, zeigt sich Adrian Schütz überzeugt.

Mit der Schweizer Genetik möchten amerikanische Einwanderer eine professionelle Schweineproduktion aufbauen.
Martina Müller

Auch auf Tiergesundheit setzt die Branche: Die Schweinehaltenden haben per April 2021 die Gesundheitsprogramme Plus umgesetzt, das elektronische Behandlungsjournal erfolgreich eingeführt und damit Transparenz geschaffen. Das sei einzigartig, so Schütz.

Schweinesperma als Exportrenner

Dass sich die Schweizer Schweinezucht in die richtige Richtung bewegt, zeigt auch der Exporterfolg von Schweinesperma. Anfang März exportierte das Zuchtunternehmen Suisag erstmals Frischsperma nach Afrika.

Mit der Schweizer Genetik möchten amerikanische Einwanderer eine professionelle Schweineproduktion aufbauen. Nur wenig später verkündete die Suisag die Zusammenarbeit mit dem belgischen Zuchtverband VPF. Und Anfang November gründete die Suisag eine Tochtergesellschaft, die den deutschen, belgischen und niederländischen Markt betreut.

Jahresrückblick 2021

1. Teil: Kulturen saufen ab 
2. Teil: Obstbau Schäden in Millionenhöhe
3. Teil: Gemüse-Importe wegen Wetter
4. Teil: Wein: Topqualität und historisch tiefe Erträge
5. Teil: Kartoffeln litten unter Nässe
6. Teil: Zuckerwerke sind nicht ausgelastet 
7. Teil: Ein Drittel weniger Brotgetreide
8: Teil: Nachfrage nach Raps nicht gedeckt
9. Teil: Turbulentes Jahr für den Wald
10: Gute Marktlage für Milch

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